Wirkungsnachweis des Familienstellens



Aufstellungen wirken. Jeder, der sich nicht nur intellektuell mit Aufstellungen befasst, sondern auch als Teilnehmer bei systemischen Seminaren war, hat dies selbst erlebt. Solche individuellen Erfolgserlebnisse werden von Anhängern des Familienstellens oft als empirische Beweise für die Wirksamkeit der Methode angeführt. Wissenschaftlich betrachtet reichen diese Erfahrungen jedoch nicht aus, weil individuelle Erlebnisse oder Befindlichkeiten nicht als Beweis gelten können. Eine streng wissenschaftliche Untersuchung des Familienstellens erfolgte 1998–2001 durch eine Kooperation des Lehrstuhls für klinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (Prof. Dr. Willi Butollo) mit dem Syst-Ausbildungs-Institut, im Rahmen der Dissertation von Gert Höppner. In der groß angelegten Studie wurden anhand der Daten von 85 Ratsuchenden die Auswirkungen eines Aufstellungsseminars über einen Zeitraum von fünf Monaten untersucht. Diese Evaluationsstudie folgte der wissenschaftlichen Logik eines Quasi-Experiments mit zwei Behandlungsgruppen und einer Kontrollgruppe, vier Messzeitpunkten (ein Monat vor der Aufstellung, ein bis zwei Tage vor der Aufstellung und ein sowie drei Monate nach

der Aufstellung) und einer statistischen Signifikanzprüfung. Im Rahmen der Studie wurden

mehrere Tests zur Erstellung einer Eingangsdiagnostik und drei Verlaufsdiagnostika durchgeführt. Vor allem das Kriterium der aktuellen psychischen Belastung der Teilnehmer wurde als Referenz für Verbesserungen aufgrund der Familienaufstellungen benutzt. Dafür wurden z. B. sogenannte GSI-Werte (Global Severity Index) gemessen. Das ist eine sehr verbreitete Evaluationsmethode im Gesundheitswesen, welche die grundsätzlichen psychischen Belastungstendenzen misst.


Ergebnisse der Studie

Die Auswertung der Daten zeigten statistisch signifikante und klinisch-therapeutisch relevante Verbesserungen auf den intrapsychischen Dimensionen der Teilnehmer:

  • Alle GSI-Gruppen profitierten von der Familienaufstellung durch eine Abnahme der generellen psychischen Belastung. Die Gruppe mit einer mittleren psychischen Belastung profitierte am meisten.

  • Neben diesen Verbesserungen bei der Belastung brachte die Aufstellung statistisch signifikante positive Veränderungen im Selbstkonzept, der Selbstakzeptanz, des Kohärenzgefühls und der Abnahme von Selbstunsicherheit.

  • Bei der Gruppe der psychisch unauffälligen Teilnehmer, bei denen man aufgrund der positiven Ausgangswerte nicht mit dramatischen Verbesserungen rechnen konnte, verbesserten sich die Selbstkonzepte trotzdem.

Gert Höppner konnte auch zeigen, dass das Lösungsbild ausschlaggebend für Veränderungen ist. Die Behandlungsgruppe, die zuerst nur mit einem Problembild und keinem sofortigen Lösungsbild arbeitete, zeigte keine signifikanten Verbesserungen (Siehe dazu auch »Aufstellungsbilder und Lösungsbilder«).


Weitere Studien

Weitere Untersuchungen mit ähnlichen Fragebögen (allerdings ohne Vergleichsgruppen),

kommen zu denselben Erkenntnissen. Im Rahmen seiner Aufstellungsarbeit hat z. B. der

Psychiater Ernst Robert Langlotz Daten anhand von Fragebögen gesammelt. Er benutzte

dazu den VEI (Verhaltens- und Erlebensindex) und den SCL 90R (eine Symptom-Checkliste).

Beide Instrumente gehören seit Jahren zu den national und international gebräuchlichen

Selbstbeurteilungsinstrumenten zur Erfassung psychischer und körperlicher Symptome. Sie erwiesen sich als geeignet, Veränderungsprozesse bei Ratsuchenden nach einem Aufstellungsseminar abzubilden. Die Ergebnisse zeigten Labilisierungen und positive Veränderungen auf. 147 Personen nahmen an diese Untersuchung teil. Von den 21 Personen, die sechs und zwölf Monate nach der Aufstellung einen neuen Fragebogen ausfüllten, zeigte sich:

  • eine Verbesserung: 76,2 Prozent (16 Personen)

  • eine Stagnation: 19 Prozent (4 Personen)

  • eine Verschlechterung: 4,8 Prozent (1 Person)

Seit 2007 läuft die internationale SISC-Studie (Symptoms Illness and Systems Constellations)

zu Systemaufstellungen bei Symptomen und Krankheiten unter der Leitung von Dr. Gunthard

Weber und Stephan Hausner. Teams in sieben Ländern arbeiten zusammen, um Prozesse

in Symptom- und Krankheitsaufstellungen qualitativ zu erforschen, zu vergleichen und die

Wirkungen durch Nachbefragungen zu untersuchen. Von allen Teams wurden Aufstellungen

mit Ratsuchenden mit verschiedenen Symptomen und Krankheiten nach demselben Prozedere durchgeführt und auf Video aufgezeichnet. 2011 befand sich die Studie in der Auswertungsphase.


Quellen: 234, 235

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