Vorgespräch/ lösungsfokussiertes Gespräch/ Eingangsinterview/ Klärungsgespräch



Vorgespräch bei Familienaufstellungen »nach Hellinger« und bei Organisationsaufstellungen


Vor Beginn einer Aufstellung wird der Ratsuchende vom Aufstellungsleiter im Beisein der

anderen Teilnehmer zu seinem Anliegen befragt. Zweck dieses Interviews ist es, …

  • das Anliegen zu klären und oft auf eine Kernfrage zu reduzieren

  • das Ziel der Aufstellung festzulegen

  • das zum Anliegen gehörende System (Familie, Organisation, Problem usw.) und den Kontext in Erfahrung zu bringen.

Im Vorgespräch wird z. B. das aufzustellende System abgegrenzt. Insbesondere in Organisationsaufstellungen wird festgelegt, wer überhaupt zum aufgestellten System gehört. Manchmal erstellt der Aufstellungsleiter mit dem Ratsuchenden ein Genogramm. Dies wird allerdings zunehmend seltener gemacht, die Anzahl und die Auswahl der für die Systemaufstellung erforderlichen Vertreter festzulegen. Hier gilt in der Regel die Reduzierung auf das Wesentliche.

Die Auswahl der Vertreter und ihre Benennung in einer Aufstellung werden als Aufstellungsformat bezeichnet. Die Formatwahl und die Durchführung einer Aufstellung kann an folgendem Beispiel einer Organisationsaufstellung verdeutlicht werden: Ein Unternehmer möchte herausfinden, weshalb eine bestimmte Produktentwicklung nicht zustande kommt. Im Vorgespräch wird vom Seminarleiter geklärt, welche Personen, Abteilungen, Produkte oder Dienstleistungen in Beziehung auf dieses Projekt bestehen. Für jedes Element dieses Systems – z. B. das Produkt, der Projektleiter, das Projektteam, die Entwicklungsabteilung, die Unternehmensleitung usw. – wird dann ein Stellvertreter gewählt. Der Aufstellungsleiter entwickelt oft schon während des Prozesses vom Vorgespräch hin zum Aufstellen der Stellvertreter eine Hypothese, inwiefern eine Verletzung der Systemprinzipien vorliegen könnte. Diese versucht er, im weiteren Verlauf der Aufstellung zu verdichten.

Manchmal findet ein solches Gespräch schon vorab per Telefon, Mail oder persönlich statt.

Das Interview kann auch direkt vor der Aufstellung unter vier Augen stattfinden, z. B. wenn

Firmengeheimnisse nicht vor der Gruppe besprochen werden sollen oder wenn der Ratsuchende sich eine verdeckte Aufstellung wünscht.



Vorgespräch in der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie


Im ausführlichen Vorgespräch zur Familiengeschichte wird vor allem der mögliche traumatische Hintergrund des Anliegens erfragt. Traumata werden genannt und zugeordnet, entweder innerhalb

  • des individuellen Lebenslaufs,

  • der frühen (auch vorgeburtlichen) Bindungsphase,

  • des Lebenslaufs einer wichtigen Bezugsperson, meist der Mutter,

  • des gesamten Bindungssystems des Ratsuchenden.

Die Herausforderung für den Aufsteller liegt darin, hinter all den Überlebensanteilen den abgespaltenen, traumatisierten Anteil zu entdecken. Wichtig für den Aufsteller ist es, darauf zu achten, ob sich der Ratsuchende bei der Formulierung seines Anliegens in einem gesunden Ich-Anteil befindet oder ob die Schutzstrategien der Überlebensanteile agieren. In diesem Fall sollte der Aufstellungsleiter im Aufstellungsprozess versuchen, den Kontakt des Aufstellenden mit seinen gesunden Ich-Anteilen zu ermöglichen.



Lösungsfokussiertes Gespräch bei den Systemischen Strukturaufstellungen


Bei Strukturaufstellungen wird ein lösungsfokussiertes Gespräch geführt. Es umfasst neben

der Klärung des Kontextes – wie der Klient zur Therapie oder Beratung gekommen ist – und

der Klärung des Themas – wer und was dabei eine Rolle spielt – die Klärung, in welche Richtung es für den Klienten gehen soll. Das (aufzustellende) Ziel des Ratsuchenden kann z. B. auch etwas Abstraktes wie »Kraft, Energie und Freude« sein. Zur Klärung dieses Kontexts werden im Vorinterview sogenannte lösungsfokussierte Fragen gestellt. Um den Klienten in den Lösungszustand zu versetzen und ihm so einen besseren Zugang zur Lösung zu ermöglichen, wird das Kernelement des lösungsfokussierten Ansatzes, die Wunderfrage, im Interview verwendet. Das Vorgespäch ermöglicht es dem Aufstellungsleiter (in diesem Fall »Begleiter« genannt) auch, ein geeignetes Strukturaufstellungsformat zu wählen, z. B. eine Problemaufstellung oder eine Tetralemmaaufstellung.



Querverweise: »Anliegen«

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