(Verlorener) Zwilling/ Im Mutterleib verstorbenes Kind



Allgemein

Häufiger als allgemein bekannt, stirbt bei einer Mehrlingsschwangerschaft ein Embryo

im Mutterleib, während ein anderer überlebt.

Nach Einschätzung von darauf spezialisierten Gynäkologen ist jede zwanzigste bis jede achte Schwangerschaft zu Beginn eine Mehrlingsschwangerschaft.

Dass allerdings Mehrlinge geboren werden, ist weit weniger häufig. Mediziner sprechen vom »Vanishing-Twin-Syndrom« – dem »verlorenen Zwilling«. Pränatalforscher konnten traumatische Erfahrungen für den überlebenden Zwilling und sogar Konsequenzen für sein späteres Bindungsverhalten beweisen. Die Mutter bemerkt den Tod in ihrer Gebärmutter oft nicht. Aus diesem Grund ist es bis heute üblich, den Frauen erst im dritten Schwangerschaftsmonat eine vorliegende Mehrlingsschwangerschaft mitzuteilen, weil der zweite oder auch dritte Embryo häufig zuvor »verschwindet«. Man hofft, der Schwangeren

dadurch eventuelle Enttäuschungen zu ersparen.



Zwillinge in Aufstellungen »nach Hellinger«

Es ist daher nicht überraschend, dass bei Familienaufstellungen oft die Beobachtung gemacht wird, dass ein Zwilling anwesend ist, der früh im Mutterleib verstorben ist. Das Kind wird von den Familienmitgliedern auch als zugehörig wahrgenommen, allerdings nicht wie ein abgetriebenes Kind, sondern es ist einfach nur ebenfalls da.


Konsequenzen im System

Menschen, die auf diese Weise Geschwister im Mutterleib verloren haben, empfinden oft das Gefühl, dass irgendetwas in ihrem Leben unerfüllt ist oder dass noch irgendetwas fehlt, ohne dieses Gefühl jedoch genauer benennen zu können. Bei einigen Betroffenen zeigt sich auch panische Angst, den Partner zu verlieren und eine glühende Eifersucht. Manche können auch nicht mit ihrer ganzen Kraft im Leben stehen. Sie suchen intensiv und voller Sehnsucht und Trauer nach dem ihnen Fehlenden, der in dieser Welt jedoch nicht zu finden ist. Dies kann so starke Auswüchse annehmen, dass es die Betroffenen aus dem Leben zieht. Oft traut sich der überlebende Zwilling auch nicht, seinen Platz im Leben ganz einzunehmen, weil er sich schuldig fühlt, dem anderen etwas Lebenswichtiges weggenommen

zu haben. Die Suche des Betroffenen nach seinem verstorbenen Zwillingsgeschwister kann sich in vielerlei Weise ausdrücken, wie z. B. weit durch die Welt zu reisen oder ein spiritueller Sucher zu sein. Das Schuldgefühl der Überlebenden führt auch oft dazu, dass solche Menschen in helfenden Berufen arbeiten. Manche Mütter oder Geschwister von verlorenen Zwillingen neigen zu starken Depressionen oder empfinden Todessehnsucht. Sie wollen dem Geschwisterchen folgen, das heißt, auch sterben, um bei ihm zu sein (siehe dazu »Nachfolge«).


Mögliches Aufstellungsbild

Wenn in einer Familienaufstellung der Stellvertreter für die Person, der etwas fehlt, immerzu

auf den Boden schaut, und es ist nicht bekannt, dass in der Familie jemand tragisch umgekommen oder früh verstorben ist, kann es sein, dass der Person ein Zwilling fehlt, der im Mutterleib verstorben ist. Das lässt sich überprüfen, indem man an einen Stellvertreter dafür einsetzt. Man bittet den Stellvertreter für den Ratsuchenden,

sich neben den Stellvertreter, für den, der fehlt, zu legen. Am Umgang der beiden miteinander kann man erkennen, ob die Hypothese vom verlorenen Zwilling zutrifft. Wenn ein im Mutterleib verlorener Zwilling »wiedergefunden« wurde, möchten sich die Stellvertreter oft lange Zeit nicht mehr loslassen. Im weiteren Verlauf der Aufstellung zieht sich der früh Verstorbene in der Regel zurück. Für den Überlebenden ist das oft sehr schmerzhaft, und er fühlt sich sehr einsam.


Lösungsweg

Die Lösung besteht darin, dem verstorbenen Kind seinen Platz im System zurückzugeben

und es im Herzen aufzunehmen. Oft wird die Erfahrung in einer sogenannten »Bondingsitzung« vertieft, in der der Ratsuchende sein Zwillingsgeschwisterchen eine Zeit lang in seinen Armen hält. Viele Aufstellungsleiter empfehlen auch, dem verstorbenen Kind die Welt zu zeigen. Dazu kann man sich vorstellen, dass man das Kind an die Hand nimmt und ihm seine Familie und die schönen Dinge der Welt zeigt.

Lösende Sätze


  • »Liebes Geschwisterchen, du bist tot, ich bleibe noch ein bisschen. Dann sterbe ich auch.«

  • »In meinem Herzen hast du einen Platz. Ich verneige mich vor deinem Schicksal, wie immer es war, und ich stehe zu meinem Schicksal, wie es mir bestimmt ist.«

  • »Bitte schaue freundlich auf mich, wenn ich am Leben bleibe und es mir gut gehen lasse.«

  • »Ich mache das Beste aus meinem Leben.«



Zwillinge in der Mehrgenerationalen

Psychotraumatologie

Laut Franz Ruppert sind Zwillinge aufgrund ihrer gemeinsamen Erfahrungen im Mutterleib

seelisch miteinander verbunden. Wenn eines der Kinder in einem späteren Stadium

der Schwangerschaft stirbt, erleidet das andere Kind ein Verlusttrauma. Die Trauer der Mutter verstärkt das Trauma dann zusätzlich. Ruppert hält allerdings viele Aussagen von Aufstellern zu »im Mutterleib verstorbenen Zwillingen« für willkürliche Behauptungen zur Erklärung der Ursache eines Problems – solange nicht tatsächlich

bekannt ist, dass ein Zwillingsgeschwister gestorben ist.



Quellen: 237

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