Vergewaltigung



Eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung bedeutet für jede Frau eine massive Verletzung

ihrer Persönlichkeit und der körperlichen Unversehrtheit. Ihr wird der Wille einer anderen

Person mit Gewalt aufgezwungen, und dies in dem äußerst sensiblen Bereich ihrer sexuellen

Selbstbestimmung. Zwei Drittel aller Vergewaltigungen finden im sozialen Umfeld der betroffenen Frauen statt, das heißt, der Täter ist dem Opfer meistens (zumindest flüchtig) bekannt. Die meisten Mädchen und Frauen empfinden während einer Vergewaltigung Ekel, erleiden massive Ängste – häufig akute Todesängste – und erleben in dieser Situation einen völligen Kontrollverlust über ihren Körper und ihren Willen. Sie fühlen sich ohnmächtig, hilflos und der Willkür einer anderen Person ausgesetzt. Wenn der Täter bekannt oder gut vertraut ist, bedeutet die Vergewaltigung darüber hinaus einen massiven Vertrauensmissbrauch. Jährlich werden bundesweit circa 12 000 bis 13 000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung angezeigt. Die Dunkelziffer wird auf das zehn- bis zwanzigfache geschätzt. Eine Bevölkerungsbefragung in Deutschland ergab, dass circa 14,5 Prozent aller Frauen mindestens einmal im Leben Opfer eines sexuellen Übergriffes werden. Aus systemischer Sicht stellt eine Vergewaltigung eine spezielle Form von Täter-Opfer-Bindung dar.


Konsequenzen im System

Sexualisierte Gewalt ist eine Persönlichkeitsverletzung, die zu einer lang anhaltenden Traumatisierung führen kann und oft über Generationen hinweg wirkt. Die Folgen und psychischen Symptome für das Opfer sind vielfältig, z. B.:

  • Angstzustände, wie z. B. Panikstörungen, Ängste, das Haus zu verlassen, Angst, alleine zu sein, Angst, unter Menschen zu sein usw.,

  • Schlafstörungen, Alpträume,

  • Zwänge, wie z. B. Waschzwang usw.,

  • Depressionen,

  • Selbstmord,

  • Essstörungen,

  • sexuelle Probleme,

  • Suchtprobleme: Alkohol-, Drogen- und Tablettenmissbrauch oder -abhängigkeit,

  • Flashbacks (plötzliche, sich ungewollt aufdrängende Erinnerungen an das Tatgeschehen).

Darüber hinaus führen mittel- und langfristige psychische Probleme zu körperlichen Erkrankungen und zu sozialen Problemen, die häufig durch das soziale Umfeld verstärkt werden. Beispiele hierfür sind:

  • Trennung vom Partner,

  • Sekundärschädigungen: Schädigungen, die erst in zweiter Linie entstehen wie z. B. von den Kindern der Betroffenen,

  • Rückzug aus dem Freundes- und Bekanntenkreis,

  • Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit von Sozialhilfe,

  • Wohnungswechsel.

In Kriegen werden häufig die Frauen des Kriegsgegners systematisch vergewaltigt. Solche

Vergewaltigungsexzesse wirken sich dann auf mehrere nachfolgende Generationen aus, auch wenn der Krieg schon lange vorbei ist. Sie verhindern gute Beziehungen zwischen Männern und Frauen über viele Jahre nach Kriegsende. Bei sexuellem Missbrauch geht es auch speziell darum, durch die Aufstellung den Täter zur Besinnung und wieder in Gleichklang mit seinen Gefühlen zu bringen. Oft suchen die Täter durch das wahnartige Ausleben ihrer Sexualität und Machtfantasien die Liebe ihrer Mutter. Wenn dabei ein Kind entsteht – auch wenn es dann abgetrieben wird – bleibt der Vergewaltiger der Vater. Diese Tatsache muss anerkannt werden. Die Mutter sollte ihn auch trotzdem als den Vater des gemeinsamen Kind achten. Im Kind sieht die Mutter immer auch den Vater. Wenn sie ihn nicht im Kind sehen will, lehnt sie auch das Kind ab. Wenn es dem Kind gut gehen soll, muss es der Mutter gelingen, den Vater des Kindes anzuschauen und zu achten. Die Folgen

der Vergewaltigung – in diesem Fall das Kind – bleiben.


Lösungsansatz

Siehe dazu »Täter-Opfer-Bindung«.


Lösende Sätze

Zusätzlich zum klassischen »Täter-Opfer«-Lösungsansatz kann laut Bert Hellinger die Therapie einer durch Vergewaltigung traumatisierten Frau darin bestehen, dass sie in der Aufstellung zum Vergewaltiger sagt: »Ich habe dich benutzt. Es tut mir leid.«

Ein Kind, das aus einer Vergewaltigung entstand, muss dem Vergewaltiger sagen: »Du bist

mein Vater, und du bist für mich der einzig Richtige. Es gibt keinen anderen für mich.« Dasselbe muss es auch zur Mutter sagen (siehe dazu auch »Eltern-Kind-Bindung«).


Kritische Stimmen

Siehe »Versöhnung«.


Quellen: 227, 228, 229

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