Tetralemmaaufstellung



Die Tetralemmaaufstellung (Tetralemma = vier Ecken, im übertragenen Sinne vier Positionen

oder Standpunkte) ist ein Format der Systemischen Strukturaufstellungen. Das Tetralemma

beruht auf einer altindischen Logiklehre, die in der damaligen Rechtsprechung angewandt

wurde. Der Richter hatte zu entscheiden, ob die eine, die andere, beide oder keine von beiden Parteien recht hatte. Die Tetralemmaaufstellung dient der Bearbeitung und Klärung von Entscheidungssituationen. Das Tetralemma kann als Kontexterweiterung betrachtet werden, die hilft, den »Tunnelblick« auf ein Dilemma zu lösen.


Aufstellungsstruktur

In einer Tetralemmaaufstellung werden durch Stellvertreter fünf Positionen dargestellt:

  • »Das Eine«: Dies kann z. B. die Lösung sein, die für den Ratsuchenden das »einzig richtige« Ergebnis darstellt, die für ihn im Vordergrund steht oder die er in der Vergangenheit schon immer angewandt hat.

  • »Das Andere«: »Das Andere« ist die gegenüberliegende Ecke des Tetralemmas, es steht gewissermaßen im Gegensatz dazu. Es kann sich dabei allerdings auch um eine echte Alternative handeln, die ebenso attraktiv ist, wie »Das Eine«. Eine einfache Negation des »Einen« reicht nicht aus, weil ansonsten die Entscheidungs-Substanz fehlt.

  • »Beides«: Dies steht für die übersehene Verbindung oder Vereinbarkeit der beiden Pole. Matthias Varga von Kibéd beschreibt insgesamt 13 Untertypen von »Beides«. Dadurch erweitert sich für den Betrachter der Bezugs- und Bewertungsrahmen. Beispiele dafür sind:

  1. Kompromiss: von beidem ist ein bisschen richtig,

  2. Iteration: Manchmal ist »Das Eine« richtig, ein anderes Mal »Das Andere« (sequentielle Lösung),

  3. Scheingegensätze: die Alternative ist gar keine.

  4. »Keins von Beiden«: Dies stellt den übersehenen Kontext dar und steht oft für übersehene Familienmitglieder oder Ähnliches. Es stellt die Antwort dar auf die Frage: »Warum kann der Ratsuchende noch keine Entscheidung treffen?« Dieses Element gibt dem Ganzen eine neue Dimension und unter Umständen einen neuen Sinn.

  • Das freie Element »All dies und auch das nicht«: Dieses Element steht für eine reflexive Musterunterbrechung und zeigt sich z. B. durch Humor, Mitgefühl usw. Typische Fragen diesbezüglich sind:

  1. Gibt es Hindernisse, die nicht angesprochen wurden?

  2. Um was geht es wirklich?


Lösungsansatz

Während der Aufstellung wird die Sichtweise auf das Entscheidungsproblem (zwischen den

Elementen »Das Eine« und »Das Andere«) erweitert, indem die beiden weiteren Elemente

(»Keines von Beiden« und »Beides«) mit einbezogen werden. Dadurch wird die anfängliche

»Entweder-Oder«-Sichtweise erweitert. Eine Musterunterbrechung ist erreicht, wenn der Fokus durch einen sogenannten »kreativen Schritt« eine völlig neue Position einnehmen

kann – die sogenannte »Nicht-Position«.


Multiple Entscheidungsaufstellung

Eine multiple Entscheidungsaufstellung ist eine Erweiterung und eine Verallgemeinerung der Tetralemmaaufstellung. Sie wird verwendet, wenn es bei einem Entscheidungsprozess um mehr als zwei Alternativen geht:

  • Anstelle der Positionen »Das Eine« und »Das Andere« werden die verschiedenen Alternativen aufgestellt.

  • Anstatt »Beides« wird »Alles davon« aufgestellt. Damit wird der Horizont des Ratsuchenden hinsichtlich weiterer Handlungsmöglichkeiten erweitert.

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