Sprache bei Aufstellungen




Sprache in den Familienaufstellungen »nach Hellinger«

Das Familienstellen ist von einer einfachen Sprache, die große Wirkungen entfalten kann,

geprägt. Während der Sprachgebrauch im Alltag eher flüchtiger Natur ist, bekommen Worte

beim Familienstellen ein sehr hohes Gewicht. Das Problem bei der Verwendung von Sprache

ist, dass man üblicherweise an der Oberfläche eines Themas und sehr nah an den damit verbundenen Vorstellungen bleibt. Daher achtet z. B. jeder Aufstellungsleiter auf die nonverbalen Signale eines Ratsuchenden, weil diese meist viel mehr über seinen Seelenzustand verraten als seine Worte. Deshalb führt es auch schneller in eine tiefere Dimension des Problems, wenn man die Stellvertreter auffordert, ihren inneren Bewegungsimpulsen zu folgen, als wenn man sie nach ihren Empfindungen befragt oder sie gar einfach reden lässt. Eine behutsame Verwendung von Sprache wird den vorhandenen Energien daher wesentlich besser gerecht. Die Sprache in Aufstellungen verzichtet deswegen auf alltagssprachliche Dialogformen, um die gewohnte Ordnungsstruktur einer Erzählung zu unterbrechen und besteht daher meist nur aus kurzen ausgewählten Sätzen. Bert Hellinger hat eine Reihe von Sätzen entwickelt, die von Einfachheit, Dichte und Kraft geprägt sind (siehe dazu auch »Klärende Sätze« und »Lösende Sätze«). Mit ihrer Hilfe eröffnet der Aufstellungsleiter neue Richtungen und Bedeutungen. Die Stellvertreter reagieren in der Regel sehr feinfühlig und aufmerksam und geben sofort eine Rückmeldung, ob der Sprachgebrauch stimmig war oder nicht.


Das Risiko der sprachlichen Arbeit

Manche Leiter lassen bereits in der Aufstellung die Stellvertreter lange Geschichten vortragen oder schlagen selbst lange Aussagen vor wie z. B. »Du bist du, ich bin ich, du hast dein Schicksal, ich habe meines. Du gehst deinen Weg, ich gehen meinen, und ich will mit dir [dem Vater] nichts mehr zu tun haben.«. So etwas verkürzt sich bei Bert Hellinger einfach zu »ich hier – du dort«.

Solche langen Texte wie die oben genannten beschäftigen den Verstand des Ratsuchenden

über einen längeren Zeitraum. Dadurch besteht aus Sicht vieler Aufsteller die Gefahr, dass

die Aufstellung »rationalisiert« werden könnte und dass der Ratsuchende keine Verbindung

mehr zu den tieferen Gefühlen findet. Häufig ist der Ratsuchende Veränderungen gegenüber zwiespältig, weil er sie sowohl sucht als auch fürchtet. Bei einer Konzentration nur auf den Verstand treten laut Verfechtern des lautlosen Aufstellens vor allem diejenigen Anteile in den Vordergrund, die die Veränderung vermeiden wollen.


Wortlose Aufstellungen

Bei Bert Hellinger wird in den Aufstellungen zunehmend weniger gesprochen (siehe dazu

»Bewegung der Seele« bzw. »Bewegung des Geistes«). Bei Eltern-Kind-Aufstellungen wird

z. B. oft nur ein Wort gesprochen wie: »ja», »bitte« oder »danke«. Ja bedeutet etwa: »Ich stimme zu, dass ihr meine Eltern seid und ich euer Kind bin.«, Bitte bedeutet: »Bitte stimmt auch ihr zu, dass ich euer Kind bin.«, Danke bedeutet: »Ich nehme das Leben, so wie ich es bekommen habe, in Dankbarkeit an.« Wortkarge oder sogar wortlose Aufstellungen bergen nach Auffassung bestimmter Aufstellungsleiter aber Risiken:

  • Sprache macht das, was geschieht, für alle Beteiligten nachvollziehbar. Die nonverbale Kommunikation ist subtiler und verlangt vom Beobachter geschulte Aufmerksamkeit und oft ein bereits vorhandenes Wissen über die Aufstellungen und ihre Wirksamkeit. Deshalb werden Aufstellungen umso weniger nachvollziehbar, je weniger gesprochen wird. Die Nachvollziehbarkeit einer Aufstellung ist aber für den Ratsuchenden aus Sicht mancher Aufsteller von größter Bedeutung. Der Aufsteller sollte ihn deswegen »mitnehmen« und darauf achten, dass er die Bewegungen zumindest in den Grundzügen nachvollziehen kann.

  • Auch die Gefahr der Fehldeutung einer Bewegung ist in einer nonverbalen Aufstellung größer. Es kann z. B. mehrere Ursache dafür geben, wieso ein Stellvertreter auf den Boden schaut: Er schaut auf einen Toten oder auf ein Grab, er senkt schamvoll sein Haupt, oder er vermeidet es, einen anderen anzuschauen, weil er einem Konflikt aus dem Weg gehen will usw. Der Aufsteller kann die Situation falsch einschätzen oder seine Wahrnehmung übersch.tzen. Manchmal ist es einfacher, bei den Stellvertretern nachzufragen.



Sprache in der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie

Bei dem Aufstellen des Anliegens von Franz Ruppert wird viel gesprochen: Jedem Stellvertreter steht es frei, seine Wahrnehmungen auszusprechen, und in einer Aufstellung findet nicht selten ein langer Dialog z. B. zwischen dem Ratsuchenden und dem Stellvertreter des Anliegens statt. Franz Ruppert vertritt dabei die Meinung, dass das Verstehen des Traumas dem Ratsuchende hilft, zu seinen bisher verborgenen Gefühlen zu gelangen. Siehe auch »Klärende Sätze« bzw. »Lösende Sätze«.

Quellen: 117

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