Sexualität



Sexualität in den Familienaufstellungen »nach Hellinger«


Sexualität ist notwendig, weil es den Tod gibt. Der sexuelle Akt ist die Grundlage des gesamten Lebens und enthüllt die eigene Vergänglichkeit. Sexualität und Tod gehören ganz eng zusammen. Sexualität schafft Bindung, auch wenn sie manchmal ohne Liebe vollzogen wird. Sie ist aus Sicht Bert Hellingers größer als die Liebe, denn Schwangerschaften treten unabhängig davon ein, ob die Sexualität aus Liebe, aus purer Lust oder gar durch gewalttätiges Tun zustande kam. Die Bindung, die sie schafft, liegt jenseits der Liebe. Für Bert Hellinger ist deswegen Sexualität wie das Schicksal. Manchmal wird der Vollzug der Liebe bei einem Paar zu einem geheimen Machtspiel. Wenn z. B. der eine will und begehrt und der andere Partner nur gewährt, so nimmt er eine Position der Überlegenheit ein. Der Partner, der will und begehrt, gelangt dadurch in eine unterlegene Position, und das zerstört die Liebe. Die Liebe beruht auf Ebenbürtigkeit im Begehren und im Gewähren. Die Liebe gelingt nur, wenn beide Partner sich sicher sind, dass ihr Begehren beim anderen sicher aufgehoben ist, also dass sie sich beide mit Liebe begehren und dieses mit Liebe

gewähren.


Konsequenzen im System

Sexualität hat große Wirkungen, die nicht rückgängig gemacht werden können. Die entstandene Bindung wird durch Aufstellungen deutlich gezeigt – auch im Fall von Vergewaltigung oder wenn die Frau eine Abtreibung vornimmt. Die Wirkungen können nicht rückgängig gemacht werden. Selbst eine sexuelle Zufallsbekanntschaft schafft eine Bindung. Das Leugnen dieser Bindung kann Leid in der Familie verursachen – insbesondere für die Nachgeborenen.


Angst vor Nähe und Sexualität

Die Angst vor Nähe und Sexualität kann verschiedene Ursachen haben, die nicht unbedingt

systemisch sein müssen:

  • eine unterbrochene Hinbewegung,

  • eine traumatisierende Erfahrung wie z. B. Kindesmissbrauch oder Vergewaltigung im Erwachsenenalter, aber auch die Zeugen eines Mordes können solche Symptome entwickeln,

  • auch Nachgeborene können die Gefühle einer vergewaltigten Frau im Familiensystem übernehmen.


Sexuelle Probleme

Die Gründe für sexuelle Probleme sind vielfältig. Sie können z. B. entstehen:

  • aus unbewusster Treue zu einem früheren Partner,

  • aus Solidarität mit einem geistig behinderten Geschwister,

  • als unbewusster Wunsch, für eine Abtreibung zu sühnen,

  • weil der Mann nicht zu seinem Vater oder die Frau nicht zu ihrer Mutter konnte und er daher seine Männlichkeit bzw. sie ihre Weiblichkeit nicht entwickeln konnte (siehe dazu »Paarbindung«). Wenn Mädchen den Vätern und Jungen ihren Müttern zu nahestehen, resultieren daraus später oft sexuelle Probleme, weil die Geschlechtsidentität psychisch nicht eindeutig ist,

  • aus Verachtung für das andere Geschlecht, was häufig auf eine zerstörte Beziehung zu einem Elternteil hindeutet.


Lösungsansatz

Die systemische Ursache für ein sexuelles Problem muss zuerst durch eine Aufstellung ans

Licht gebracht werden und z. B. die Verstrickung entsprechend gelöst werden.


Aufstellungstechnik

Bei Aufstellungen über sexuelle Probleme wird manchmal das Element »sexuelle Freude« aufgestellt, um die Wirkung der Lösung besser einschätzen zu können.



Sexualität in der Mehrgenerationalen

Psychotraumatologie

Menschen, die in ihrer Kindheit symbiotisch unterversorgt wurden, benutzen Sexualität laut

Franz Ruppert oft, um ihre innere Einsamkeit nicht mehr spüren zu müssen. Der Sexualakt

kann die Illusion fördern, die in der Kindheit nicht erfüllten Wünsche später befriedigt zu bekommen. Siehe auch »Sexsucht«.

Quellen: 175

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