Schicksalsgemeinschaft



Familien als Schicksalsgemeinschaft

Die Mitglieder eines Familiensystems bilden aus Sicht Bert Hellingers zusammen eine Schicksalsgemeinschaft, in der jeder auf den anderen in vielfältiger Weise angewiesen ist. Das schwere Schicksal eines Mitglieds betrifft auch alle anderen und veranlasst sie, es mit ihm teilen zu wollen. Wenn z. B. in einer Familie ein Geschwister früh stirbt, dann wollen andere Geschwister ihm nachfolgen, oder wenn ein Großvater eine schwere Schuld auf sich geladen hat, will ein Enkelkind diese für ihn sühnen. Am stärksten wirkt diese Schicksalsbindung jedoch zwischen Kindern und Eltern (siehe dazu auch »Verstrickung«).

Eng damit verbunden ist die Vorstellung, dass jemand für einen anderen eintreten kann. Das

heißt, dass er stellvertretend für ihn Leiden, Sühne und sogar das Sterben auf sich nehmen

kann, um den anderen so von seinem schweren Schicksal zu erlösen. Auffällig ist bei diesen

Fällen, dass vor allem die jüngeren Mitglieder der Familie stellvertretend leiden, sühnen oder sterben wollen, also vor allem die Kinder (siehe dazu »Magisches Verhalten«).

Eine Person befindet sich auch mit denen, durch deren Opfer sie etwas gewinnt, in einer Schicksalsgemeinschaft. Umgekehrt gilt dies auch für solche Personen, die durch ihren Verlust, ihren Schaden oder durch ihr vorzeitiges Ausscheiden einen Vorteil erlangen, der ihnen neue Erfolge einbringt. So sind z. B. viele Kinder mit dem früheren Partner eines Elternteils verstrickt, weil sie systemisch gesehen ihr Leben dem Verzicht dieses früheren Partners zu verdanken haben.


Schicksalsgemeinschaft von Überlebenden & Toten sowie von Tätern & Opfern

Es wurde mithilfe von Aufstellungen deutlich gezeigt, dass zwischen Überlebenden und

Toten oder zwischen Tätern und Opfern tiefe Bindungen entstehen, die sich über die Betroffenen hinaus auch auf ihre Nachkommen auswirken können. Z. B. fühlen sich heimgekehrte Soldaten auf besondere Weise ihren toten Kameraden verbunden, aber auch den von ihnen getöteten Feinden (siehe auch »Krieg«). Dies wirkt sich in einer Aufstellung so aus, dass sich Nachkommen der überlebenden Soldaten den toten Kameraden und Feinden ihrer Väter und Großväter zuwenden, sich zu ihnen stellen oder zu ihnen legen wollen. Sie verspüren eine Sehnsucht zu sterben oder manchmal auch den Drang, sich umzubringen (siehe dazu »Nachfolge«). Sie übernehmen damit die unbewusste oder abgewehrte Sehnsucht ihrer Väter und Großväter, bei ihren toten Kameraden und Feinden zu sein.

Die Lösung besteht darin, die Väter und Großväter, die in den meisten Fällen schon verstorben sind, sich in der Aufstellung zu ihren toten Kameraden oder Feinden legen zu lassen. Oft entsteht dann eine bewegende Verbrüderung zwischen Menschen, die sich beide im Dienste oder als Opfer von Mächten fühlen, die viel größer sind als sie selbst.

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