Ruppert, Franz (Prof. Dr.)



Das systemische Aufstellen in Deutschland wurde von verschiedenen Strömungen geprägt,

u. a. dem Familienstellen »nach Hellinger« und seinen Varianten, den Systemischen Strukturaufstellungen von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer sowie den »klinischen« Ansätzen wie die Mehrgenerationale Psychotraumatologie von Franz Ruppert, der die Methoden der Traumaaufstellung und des »Aufstellens des Anliegens« entwickelt hat. Mittlerweile spricht er in Bezug auf seine Arbeit von einer Aufstellungsmethode auf der Grundlage von Bindung und Trauma.


Biographie von Franz Ruppert


Franz Ruppert, geboren 1957, Diplom-Psychologe, ist seit 1992 Professor für Psychologie

an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und approbierter psychologischer

Psychotherapeut mit eigener Praxis. Er arbeitet seit 1995 mit Familien- und Organisationsaufstellungen in Gruppen und im Einzelsetting und führt seit 1999 Fortbildungen für das Erlernen seiner Theorie und seiner Methode durch.


Franz Ruppert ist spezialisiert auf die psychotherapeutische Arbeit mit schweren psychischen

Erkrankungen wie Ängsten, Depressionen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Psychosen

oder Schizophrenie. Er entwickelte 1998 den Theorieansatz der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie, die die Symptome psychischer Störungen als Folgen von unterschiedlichen Formen von Traumatisierungen erklärt und die Grundlage für ein eigenes psychotherapeutisches Interventionsverfahren bildet. Diese Theorie basiert vor allem auf der Bindungs- und Traumaforschung.


Franz Ruppert hatte seinen ersten Kontakt mit der Methode des Familienstellens im Jahr

1994, als Bert Hellinger an der Universität München einen Workshop zum Thema »Borderline-Störungen« veranstaltete. Er führte 1995 seine erste Aufstellung durch. Je mehr er sich mit der Bindungs- und Traumatheorie beschäftigte, desto mehr löste er sich von Bert Hellingers Methode, um seinen eigenen Ansatz zu entwickeln.


Aus seiner Sicht sind klassische Aufstellungen zwar in der Lage, Traumata ans Licht zu bringen und die beste Möglichkeit, den Zusammenhängen von Bindung und Trauma über viele Generationen hinweg auf die Spur zu kommen, jedoch sind sie bei Weitem nicht ausreichend, um Traumata zu heilen. Auf der Basis seines Modells von durch Traumaerfahrungen aufgespaltenen Persönlichkeitsanteilen entwickelte er seine Aufstellungsmethode zur Traumaaufstellung weiter. Das von ihm seit 2009 bevorzugt

verwendete Aufstellungsformat »Aufstellen des Anliegens« ermöglicht es, symbiotische Verstrickungen als Folge eines Symbiosetraumas sichtbar zu machen.

Franz Ruppert entwickelt seine Theorie aufgrund seiner vielfältigen praktischen Erfah-

rungen fortlaufend weiter. So verwendet er mittlerweile den Begriff »Seele« kaum noch,

weil dieser Begriff zu metaphysischen und esoterischen Spekulationen einlädt, denn »Seele«

wird meist als ganzheitliches Konzept verstanden. Das ist gegensätzlich zu seiner Vorstellung der Spaltung in Persönlichkeitsanteile. Deshalb verwendet er in seiner aktuellen Theorie den Begriff Psyche und spricht oft von psychischen Programmen, die den Bindungs- und Traumatisierungsprozessen zugrunde liegen.


Er verzichtet in seiner Mehrgenerationalen Psychotraumatologie auch auf den Zusatz »systemisch«, weil dieser Begriff in der Aufstellerszene sehr diffus verwendet wird und er sich den Richtungen, die sich explizit der Systemtheorie und ihren Axiomen verpflichtet fühlen, nicht zugehörig fühlt, weil diese die Themen Bindung und Trauma nicht ausreichend in ihrer Theoriebildung verankert haben.

Querverweise: »Mehrgenerationale Psychotraumatologie«, »Trauma und Traumastörungen«, »(Spaltung in) Persönlichkeitsanteile«, »Traumaaufstellung«, »Aufstellen des Anliegens«

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