Repräsentierende Wahrnehmung



Der Begriff »repräsentierende Wahrnehmung« beschreibt die Fähigkeiten von Repräsentanten, in einer Aufstellung Veränderungen in körperlichen Empfindungen wahrzunehmen. Der Begriff wurde von Matthias Varga von Kibéd für Strukturaufstellungen geprägt, wird jedoch mittlerweile von vielen Aufstellern anderer Ansätze benutzt.

Der Begriff wird oft als Synonym für »Feldwahrnehmung« verwendet. Ein wesentlicher Unterschied zur klassischen Feldwahrnehmung ist allerdings der, dass der Fokus auf den Veränderungen der Körpergefühle liegt und nicht auf dem Gefühl selbst. Z. B. wird der Repräsentant gefragt: »Was hat sich für dich geändert, als dieses Systemelement aufgestellt wurde?« Repräsentanten äußern bei Systemischen Strukturaufstellungen keine fremden Gefühle, sondern lediglich Unterschiede zu vorigen Empfindungen. Bei klassischen Aufstellungsformen werden eher Fragen wie »Wie fühlst du dich?« oder »Wie geht es dir?« gestellt. Aus der Sicht der Strukturaufsteller laden solche Fragen zur Vermischung mit dem eigenen Hintergrundsystem der Repräsentanten ein (sogenannte »Resonanz«).


Verschiedene Wahrnehmungsformen

Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer haben verschiedene Formen der repräsentierenden Wahrnehmung definiert:

  • Rezeptive Feldwahrnehmung: Fähigkeit des Aufstellungsleiters/Begleiters, durch spontan veränderte Körperbefindlichkeiten den Zwischenraum zwischen den Repräsentanten als Qualität zu erspüren; insbesondere die Wahrnehmung der Beziehungsstrukturen sowie der Beziehungsveränderungen der repräsentierten Systemelemente.

  • Interagierende Feldwahrnehmung: Fähigkeit des Aufstellungsleiters, die gegenseitige Beeinflussung der Felder von Aufstellungsleiter, Ratsuchendem und gegebenenfalls andere Personen wahrzunehmen.

  • Modulierende Feldwahrnehmung: Fähigkeit zu erspüren, welche Konsequenzen eine mögliche Intervention des Aufstellungsleiters hätte.

  • Projektive rezeptive Feldwahrnehmung: Fähigkeit, sich in der Vorstellung von außen in Zwischenräume der Repräsentanten hineinzuprojizieren.

  • Wahrnehmung der Assoziations-Dissoziations-Vertauschung: Der Aufstellungsleiter sorgt dafür, dass der Klient das Problembild möglichst dissoziiert (mit Abstand) erleben kann und sich mit dem Lösungsbild möglichst optimal assoziiert (verbindet).

  • Pseudoprojektionen im Raum: Fähigkeit der Zuschauer im Seminarraum, sich in der Vorstellung körperlich in die Haltung von Repräsentanten hineinzuversetzen und so deren Körperwahrnehmung partiell mitzuerleben.

  • Reflexive repräsentierende Wahrnehmung: Der reiche Wahrnehmungszustand, in der der Ratsuchende sich befindet, wenn er im Lösungsbild an die eigene Stelle (bzw. an die Stelle seines Fokus) getreten ist.

  • Geometrische Wahrnehmung: Fähigkeit, Besonderheiten in der Raumgeometrie wahrzunehmen, z. B. die Nähe zu einer Wand, die die repräsentierende Wahrnehmung beeinflussen können. Der Repräsentant fühlt sich z. B. eingeengt, und die Wand ist Teil des Aufstellungsbildes geworden.

  • Topologische Wahrnehmung: Fähigkeit der Zuschauer wahrzunehmen, dass sie nicht zu der Aufstellung dazugehören oder dass sie vielleicht in die Aufstellung »hineingerutscht« sind. Der Zuschauer nimmt topologisch wahr, dass er plötzlich zur Aufstellung gehört.

  • Fremd- versus Eigenresonanzdifferenzierung: Fremdresonanz heißt, dass Menschen als Repräsentanten mit den Elementen (Personen, etc.) des repräsentierten Systems in Resonanz treten können. Eigenresonanz bedeutet, dass die Wahrnehmung der Repräsentanten aufgrund der Erlebnisse in der Aufstellung, – wenn diese gewisse Ähnlichkeiten mit eigenen Erfahrungshintergründen haben – mit ihren eigenen Gefühlen in Resonanz treten.

Diese Unterscheidung zwischen fremd- und eigenresonanten Empfindungen ist mitunter

auch für die Aufstellungsarbeit bedeutsam.


Siehe auch »Feldwahrnehmung«.

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