Problemaufstellung



Problemaufstellungen sind ein Format der Systemischen Strukturaufstellungen. Problemaufstellungen bringen Klarheit darüber, warum ein Ziel noch nicht erreicht wurde. Hindernisse werden dabei in ihrer Schutzfunktion gewürdigt, und Ressourcen können anschließend ihre Kraft entfalten. Eine Problemaufstellung gibt Hinweise auf die verborgenen Zusammenhänge zwischen den Bestandsteilen des Problems und

ermöglicht in der Regel die Entwicklung zu einer geeigneten Lösung.

Vereinfacht gesagt ist ein Problem aus Sicht der Strukturaufsteller lediglich die Bewertung einer Situation und der Betroffene sucht eine Lösung zur Veränderung derselben. Es handelt sich beim dem Problem also nicht um – wie oft irrtümlich angenommen – objektive Tatsachen (siehe dazu »Konstruktivismus«). Schließlich hat jeder seine Fähigkeiten nur durch die Bewältigung vergangener »Probleme« (weiter)entwickelt. Bei der Problemaufstellung sind eine ausführliche Problembeschreibung sowie die inhaltliche Analyse des Problems unwichtig. Von Interesse ist die Struktur des Problems, das heißt, wie sich der Prozess im Bewusstsein des Ratsuchenden konstruiert. Am Anfang einer solchen Aufstellung schildert der Ratsuchende deshalb sein Problem entweder gar nicht oder nur in knappen Worten.


Aufstellungsstruktur

Aufgestellt werden sechs Elemente – die »Bestandteile« des Problems, ohne die das Problem nicht als solches zu erkennen wäre:

  • Fokus,

  • Ziel: das, was man erreichen möchte und die Richtung, in die man sich dabei bewegen möchte,

  • Hindernis: das, was einen hindert, das Ziel sofort zu erreichen; das Hindernis stellt sich im weiteren Verlauf oft als das heraus, was den Ratsuchenden davor bewahrt, das Ziel zu schnell zu erreichen und ihm deshalb die nötige Kraft und Fähigkeiten verschafft,

  • (Ungenutzte) Ressourcen: das, was der Ratsuchende noch nicht oder nur ungenügend zur Lösung eingesetzt hat,

  • Verdeckter Gewinn: die Vorteile, die der Ratsuchende hatte, weil er das Problem bisher nicht gelöst hat,

  • Nächstes Problem oder die kommende Aufgabe.


Lösungsansatz

Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer haben Prinzipien für die Suche nach Lösungsbildern in einer Problemaufstellung definiert:

  • Wenn das Ziel vom Fokus weiter entfernt ist als die künftige Aufgabe, so liegt häufig ein Problem vor, bei dem wird versucht, den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun oder bei dem ein ferneres Ziel die Lösung der anstehenden Aufgabe beeinträchtigt.

  • Wenn Hindernisse den Blick auf Ziel und Aufgabe versperren, sollte dieser Blickkontakt möglich gemacht werden.

  • Auch Ziel und Aufgabe sollten in der Regel Blickkontakt zum Fokus aufnehmen können.

  • Hindernisse verwandeln sich neben oder ein Stück hinter dem Fokus häufig in unterstützende Instanzen (Schutzwälle oder Helfer).

  • Ungenutzte Ressourcen können hinter oder neben dem Fokus oft gut zur Geltung kommen.

  • Der verdeckte Gewinn muss vor allem für den Fokus sichtbar gemacht werden. In der Regel darf der verdeckte Gewinn nicht zu nah bei den Ressourcen stehen.

Quellen: 151, 152

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