Phänomenologie



Die Phänomenologie ist eine philosophische Strömung, die Anfang des 20. Jahrhunderts

vor allem von Edmund Husserl geprägt wurde. Sie zielt auf die bewertungsfreie Betrachtung

von alltäglichen Wahrnehmungen, wie z. B. das Wahrnehmen von Personen oder Gegenständen, ab. Mit der Phänomenologie begründete Husserl eine philosophische Schule. Diese fordert, man soll zu dem zurückzukehren, was sich tatsächlich ereignet und zwar vom Standpunkt desjenigen aus betrachtet, der etwas Bestimmtes erlebt. Dieses Erlebte soll nicht schon im Voraus durch Interpretationen oder Abstraktionen bewertet werden. Als Vorgehensweise nutzen Phänomenologen dazu die sogenannte »Epoché«. Das ist gleichzeitig eine Haltung und eine Methode, durch die zunächst den vorgefassten Urteilen über die äußere Welt die Geltung entzogen wird. Das erlaubt einen neutralen Blick

auf die Dinge des Lebens. Dadurch kann man anschließend zu Erkenntnissen über das Wesen des betrachteten Gegenstandes gelangen.


Phänomenologie und Familienstellen »nach Hellinger«

Bert Hellinger bezeichnet seine Arbeitsweise in den Familienaufstellungen als phänomenologisch: Phänomene zeigen sich, und die Wahrnehmung der Wirklichkeit erweitert sich. Bei der phänomenologischen Vorgehensweise setzt man sich offen, ohne persönliche Absicht, der Wirklichkeit aus und wartet, was diese Wirklichkeit – in einer Aufstellung repräsentiert durch die Stellvertreter – zeigt. Für Bert Hellinger kommt in einer Aufstellung eine eigene Welt zum Vorschein, über die sich der Aufstellungsleiter nicht erheben kann, weil er in ihre Gesetzmäßigkeiten eingebunden ist. Die Ordnungen und Dynamiken des Familienstellens sind im Laufe der letzten 25 Jahre nach und nach zumeist von Bert Hellinger selbst gefunden worden. »Gefunden worden« heißt für Hellinger in diesem Zusammenhang, dass sie sich in einem Prozess während einer Familienaufstellung gezeigt haben und nicht das Ergebnis einer Theorie sind. Sie wurden aus der unmittelbaren phänomenologischen Beobachtung abgelesen. Hellinger sagt dazu: »Dieser Vorgang ist demütig […] und äußerste Empirie, reine Erfahrung dessen, was sich zeigt.«


Andere Sichtweisen

Der konstruktivistische Ansatz der Systemischen Strukturaufstellungen kann als ein Gegenpol

des phänomenologischen Ansatzes von Hellinger gesehen werden. Für Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer zeigt eine Aufstellung nur die Konstruktion eines Problems aus Sicht des Ratsuchenden. Für Franz Ruppert stellt eine Aufstellung die Repräsentation der psychischen Wirklichkeit des Ratsuchenden mit seinen seelischen Spaltungen und symbiotischen Verstrickungen dar und nicht (unbedingt) die Realität.

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