Partnerschaft (geschäftlich)



Gleichwertigkeit der Partner

In einer beruflichen Partnerschaft begegnen sich Menschen, die sich aufgrund ihrer Kompetenzen ergänzen. Sie kann sich nur dann erfolgreich entwickeln, wenn beide Partner etwas mit einbringen, was der andere nicht hat, jedoch braucht. Dies muss dann aber auch gewürdigt werden. Zur Ordnung zwischen Partnern gehört daher zuallererst, dass jeder der beiden zugibt, dass ihm etwas fehlt und dass er von sich aus nie das erreichen kann, was der Partner kann. Das gegenseitige Zugeben der eigenen Mankos bindet sie in dieser Bedürftigkeit zusammen. Genauso wie Paarbindungen, die aus den falschen Gründen eingegangen wurden, nicht erfolgreich werden können, funktionieren Partnerschaften

nicht, die nicht auf gegenseitigem Bedarf beruhen. Viele Menschen gehen jedoch

eine Partnerschaft aus den falschen Gründen ein, z. B. weil ihnen der Mut zu einem Alleingang fehlt.

Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen: Ein junges Unternehmen hat ein neues Produkt

entwickelt und sucht dafür nach einem Vertriebspartner, weil es sich dadurch einen guten

Zugang zum Markt verspricht. Häufig ist es aber so, dass die Vertriebsfirma bereits viele

Produkte im Angebot hat und das neue Produkt deshalb nicht wirklich braucht. Das Produkt des neuen Unternehmens ist für sie daher nur ein »nice to have«-Produkt und keine wirklich notwendige Ergänzung der eigenen Produktpalette. Eine solche Partnerschaft kann nicht funktionieren, weil einer der Partner den anderen nicht braucht.

Häufig geht eine Partnerschaft auseinander, weil ein Partner nichts Gleichwertiges (mehr)

in die Partnerschaft einbringen kann oder weil einer der Partner der Überzeugung ist, er könne das, was der Partner einbringt, ebenso erfolgreich tun. Wenn dies wirklich der Fall ist, sollten nach Möglichkeit die Regeln der Zusammenarbeit angepasst werden, z. B. in eine Leiter-Angestellter- oder in eine Inhaber-Juniorpartner-Konstellation geändert werden. Ansonsten droht der Partnerschaft ein bitteres Ende.


Rangordnung in einer Partnerschaft

Obwohl Partnerschaft auf Gleichwertigkeit gebaut ist, kann es durchaus eine innere Rangfolge der Partner geben, genau wie bei einer Paarbindung: So hat häufig einer den Vorrang vor allen anderen, z. B. weil er für die Finanzen zuständig ist. Vorrang hat auch, wer die Geschäftsidee hatte oder wer die Führung übernimmt. Die Übernahme von Führungsaufgaben stellt immer eine Dienstleistung dar, die ausgeglichen bzw. gewürdigt werden muss. Manchmal stimmt auch der Ausgleich von Geben und Nehmen in einer Partnerschaft nicht oder nicht mehr: Z. B. hat ein Partner seine Prioritäten geändert und widmet sich zunehmend seiner Familie, oder ein Partner bringt einfach mehr Leistung, Einsatz oder Kompetenz ein als der andere und wird dafür nicht entsprechend entlohnt oder gewürdigt.

Eine weitere wichtige Ordnung ist die zeitliche Rangfolge. Der Gründer eines Unternehmens

nimmt in diesem immer den ersten Platz ein. Eine gleichrangige Partnerschaft ist in diesem Fall nicht möglich, weil die anderen Partner später ins System eingetreten sind. Um sich zu behaupten, grenzen Partner, die später dazukommen, sehr häufig den Gründer des Unternehmens aus. Dreier-Partnerschaften sind aus Sicht Hellingers problematisch, weil sich fast immer zwei Leute gegen einen Dritten zusammentun. Es ist daher vorteilhafter, wenn eine Partnerschaft aus zwei oder aus vier Parteien besteht. Der Entscheidungsprozess gestaltet sich damit zwar oft etwas schwieriger, die Akzeptanz der Entscheidungen

und die Festigkeit der Partnerschaft ist aber dann umso größer.


Zielorientierung der Partnerschaft

Eine berufliche Partnerschaft ist genau wie ein Unternehmen ziel- und aufgabenorientiert. Eine häufige Ursache für fehlende Motivation eines Partners besteht darin, dass die Ziele, wegen derer die Partnerschaft ursprünglich eingegangen wurde, einfach erreicht wurden, und die Partnerschaft daher ziellos geworden ist. Sie wird häufig nur weitergeführt, um mehr Geld und Profit zu erreichen. Bewusst oder unbewusst spüren die Partner, dass die Bindung keine Kraft mehr hat. Die Partner brauchen einander nicht mehr. In diesem Fall ist es wichtig, neue gemeinsame Ziele für die Partnerschaft zu definieren. Manchmal ist aber eine Partnerschaft auch zu ihrem natürlichen Ende gekommen, und die beste Lösung ist eine einvernehmliche Auflösung.


Reinszenierung einer Familiendynamik

Bei Partnerschaften ist immer eine Reinszenierung einer Familiendynamik möglich. Z. B. kann

ein Mann Schwierigkeiten haben, eine berufliche Partnerschaft mit einer Frau einzugehen,

wenn der Platz an seiner Seite nicht frei ist. Wenn er sich noch nicht innerlich von seiner

ersten Frau getrennt hat, dann kann auch keine berufliche Partnerin den Platz neben ihm einnehmen. Ein »Sich-nicht-allein-Trauen« und die daraus resultierende Wahl eines Partners hat auch oft ihren Ursprung im Familiensystem.

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