Partnerersatz



Eltern suchen manchmal bei ihren Kindern das, was sie beim Partner nicht vorfinden: Das Kind wird zum Partnerersatz, um für den enttäuschten und bedürftigen Elternteil den besseren Mann oder die bessere Frau zu spielen oder um einen Partner, der sich aus der Beziehung verabschieden will, am Verlassen zu hindern. So wird der Sohn zum Partnerersatz für die Mutter, weil sein Vater diese Rolle nicht mehr ausfüllt, und er verhält sich fürsorglich, liebevoll und verantwortungsbewusst – ganz wie ein perfekter, kleiner Ehemann. Oder die unreife Tochter schlüpft für den Vater in die Rolle ihrer Mutter als Partnerin: Sie kokettiert, ist äußerst charmant und liebevoll und verhält sich wie eine Frau, die versucht, ihren Mann bei der Familie zu halten. Und zwischen den Beteiligten herrscht meist ein unausgesprochenes Einverständnis, das die verkehrten Verhältnisse unterstützt. Die Eltern-Kind-Beziehung bekommt damit eine Färbung, die ihr nicht angemessen ist und die die Kinder belastet und verwirrt. Denn als Kinder können sie ihren Eltern unmöglich das geben, was diese vom Partner nicht oder nicht mehr bekommen. Kinder sind mit einer solchen Anforderung nicht nur restlos überfordert, als Partnerersatz verlassen sie auch ihren Platz als Kinder und übernehmen wesentliche Aufgaben eines Elternteils. Dies widerspricht der systemischen Ordnung und hat weitreichende Folgen.


Mögliche Ursachen

Manchmal entsteht diese Dynamik, weil die Energie eines Elternteils hauptsächlich auf die Kinder ausgerichtet ist. Je weiter die Paarbeziehung in den Hintergrund rückt, umso weniger

wird die Beziehung zu den Kindern die elementaren Bedürfnisse nach Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit befriedigen können. Die Beziehung stimmt schnell nicht mehr, und mit der Zeit entsteht ein Defizit, das auf andere Weise gefüllt werden muss, nicht selten durch die Kinder. Diese Dynamik kann auch aus einer Identifizierung mit einem früheren Partner eines Elternteils entstehen.


Konsequenzen im System

Kinder, die als Partnerersatz für ihre Eltern einspringen, haben fast immer Probleme in ihren

späteren eigenen Partnerschaften...

  • weil der Platz an ihrer Seite durch Vater bzw. Mutter besetzt ist.

  • weil sie in Konkurrenz mit dem Elternteil stehen, der ihnen die männliche oder die weibliche Energie geben sollte: Das Mädchen wird z. B. zur Konkurrentin der Mutter und kann deswegen nichts von ihr annehmen. Solche Kinder konnten in ihre Rolle als Mann oder Frau nicht hineinwachsen. Weil sie als Partnerersatz aber immer gerade auf der falschen Seite stehen, bleiben solche Kinder auch im Erwachsenenalter häufig »Papas kleines Mädchen« oder »Mamas kleiner Junge«. Sie sind charmant und bezaubernd, aber selten zu einer reifen Partnerschaft fähig.

Für die Störung der Ordnung wird sich das Kind laut Bert Hellinger später oft in irgendeiner

Form selber bestrafen – etwa durch Krankheit –, weil es tief in seinem Herzen seine falsche Position als Anmaßung empfindet, auch wenn es sie aus Liebe zum Vater oder zur Mutter eingenommen hatte. In einem tiefen inneren Gefühl weiß es, dass ihm als Kind der Platz als Partner oder Partnerin neben Mutter oder Vater nicht zusteht. Angemessen ist für es vielmehr die Kindposition, und das, was zwischen den Eltern ist, ist deren Sache und geht es nichts an. Kindesmissbrauch stellt aus Sicht Bert Hellingers einen extremen Fall von Partnerersatz dar. Kommt es in einer Familie zu Kindesmissbrauch, besteht ein unausgeglichenes Verhältnis von Geben und Nehmen. Der Mann erhält z. B. von der Frau nicht, was ihm gebührt, deshalb nimmt er es sich von der Tochter. Aus systemischer Sicht bietet sich die Tochter unbewusst an, um auszugleichen, was die Mutter nicht gibt.


Mögliches Aufstellungsbild

Das Kind steht an der Seite des gegengeschlechtlichen Elternteils. Der andere Elternteil

kann oder will den Platz nicht einnehmen.


Lösungsansatz

Übernehmen beide Partner die Verantwortung für ihre Beziehung als Liebespaar, dann dürfen die Kinder ihnen als Elternpaar vertrauen. Eine Lösung besteht immer aus der Klärung der drei Beziehungen:

  • Beziehung zwischen den Eltern: Die Eltern müssen ihre Beziehung bereinigen und beide ihre Rollen als Partner übernehmen.

  • Beziehung zwischen dem Kind und dem Elternteil, dem es als Partnerersatz diente: Das Kind muss deutlich machen, dass es nur das Kind ist, und der Elternteil muss dies anerkennen.

  • Beziehung zwischen dem Kind und dem »ersetzten« Elternteil: Das Kind muss deutlich machen, dass es nur ein Kind und kein Konkurrent ist.


Lösende Sätze

Für ein Kind, das die Partnerersatzrolle übernommen hat, z. B. für eine Tochter:

  • Auf den Vater zeigend: »Lieber Papa, ich bin nur dein Kind.«

  • Auf die Mutter zeigend: »Du bist meine Mutter. Du bist die einzig Richtige für mich. Bitte schaue freundlich auf mich, ich bin nur das Kind.«


Siehe auch »Frühere Partner«.

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