Nachsorge



Bei Psychotherapien wird in der Regel eine Nachsorge angeboten. Eine Psychotherapie

kann Auswirkungen auslösen, die für den Ratsuchenden manchmal schwer zu ertragen sind.

Im schlimmsten Fall kann die Therapie eine Retraumatisierung auslösen, also eine Wiederholung bzw. ein erneutes Erleben des Traumas. Die Erfahrung vieler Aufsteller zeigt jedoch, dass die überwiegende Mehrheit der Ratsuchenden aus Aufstellungen unmittelbar gestärkt herausgehen und in der Regel keine Nachsorge benötigen. Allerdings werden Ratsuchende während einer Aufstellung in kurzer Zeit mit Ereignissen und Gefühlen konfrontiert, die sehr schmerzhaft und belastend sein können. Darauf sind die Teilnehmer im Seminar hinzuweisen. Es kann, wenn auch in seltenen Fällen, passieren, dass es einem Teilnehmer in den ersten Tagen oder Wochen nach einem Aufstellungsseminar nicht gut geht. Der Begriff »Erstverschlimmerung « für dieses Phänomen stammt aus der Homöopathie. Bevor etwas heilen und sich lösen kann, tritt es noch einmal besonders stark und eindrücklich auf. Des Weiteren durchleben Ratsuchende nach Familienaufstellungen

häufig verwirrende Phasen, weil sie die Erfahrungen erst einmal verarbeiten müssen.

Ein weiterer Grund für eine Nachsorge ist die Verantwortung, die ein Aufstellungsleiter gegenüber dem Ratsuchenden hat. Die Ratsuchenden wollen oft mit den vielen Informationen, die sie aus der Aufstellung mitnehmen, nicht sich selbst überlassen werden.


Nachsorge im klassischen Familienaufstellen

Einer der Kritikpunkte am Familienaufstellen ist der, dass nicht alle Aufstellungsleiter automatisch eine Nachsorge anbieten. Ein »Nacharbeiten« oder ein »Durcharbeiten« einer Aufstellung steht tatsächlich nicht auf dem Behandlungsplan. Bert Hellinger selbst sagt dazu: »Die ganzen Vorstellungen von Durcharbeiten und Nachsorge haben mit dem Familienstellen selbst nichts zu tun. Das sind fremde Elemente aus anderen Therapien, die hier hereingetragen werden.«

Viele Aufstellungsleiter sind allerdings der Meinung, dass man den Kunden nach einer Aufstellung nicht »im Regen stehen lassen sollte«, und bieten an, den Klienten nach dem Abschluss der Aufstellung weiterzubegleiten. Das kann z. B. durch ein Gespräch sein oder durch das Angebot an den Ratsuchenden, jederzeit anrufen zu können. Speziell bei Trauerarbeit ist es für die Teilnehmer oft wichtig, dass die Möglichkeit zu einer Nachbesprechung besteht. Zur Sorgfaltspflicht des Familienaufstellers gehört es deswegen, seine Telefonnummer bekannt zu geben, damit der Ratsuchende bei einem auftretenden seelischen Notfall die Möglichkeit zu einem Gespräch hat. Professionelle Anbieter

des Familienstellens bieten oft eine Nachsorge an und weisen nachdrücklich darauf hin, dass

man sich an sie oder an einen Psychotherapeuten wenden sollte, falls die Familienaufstellung Auswirkungen hat, die als problematisch empfunden

werden. Sind schon im Vorfeld psychische Probleme bekannt, ist es sinnvoll und ratsam,

Familienstellen nur eingebettet in eine professionelle Psychotherapie mit langfristiger Betreuung durchzuführen.

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