Nachbesprechung/ Nachgespräch




Am Ende einer Aufstellung »nach Hellinger« wird dem Ratsuchenden oft gesagt, dass er nicht über seine Aufstellung sprechen sollte. In der Regel wird von den Aufstellungsleitern bewusst eine unbewusste Wirkung der Lösung angestrebt – das Wirkenlassen des Erfahrenen steht in Vordergrund. Die Handlung sollte aus dem Lösungsbild heraus beim Ratsuchenden selbst entstehen. Viele Aufstellungsleiter befürchten, dass durch eine Nachbesprechung (vor allem mit Dritten) die Aufstellung »intellektualisiert« würde, statt auf der Ebene des emotionalen Erlebens zu bleiben. Der Verstand könnte sich gegen das neue

Bild wehren und damit die Wirkung zerstören oder zumindest mildern. Nur in Ausnahmenfällen, z. B. wenn ein Kind seinen leiblichen Vater nicht kennt, wird empfohlen, mit Dritten über die erfolgte Aufstellung zu sprechen. Eine Nachbesprechung findet allerdings in einigen Fällen statt:

  • im »klassischen Familienstellen«, um die weitere Vorgehensweise zu erklären und bestimmte Dynamiken zu vertiefen,

  • in der Bewegung der Seele und in der Bewegung des Geistes, um – allerdings eher selten – bestimmte Dynamiken zu vertiefen,

  • bei den Systemischen Strukturaufstellungen – wenn der Ratsuchenden es wünscht –, um im Sinne des lösungsfokussierten Ansatzes Verbesserungen und Unterschiede zur Problemsituation zu klären und weitere Schritte zu erarbeiten. Ziel ist es, den Ratsuchenden bei der Umsetzung der Erfahrungen, die durch die Aufstellung gewonnen wurden, zu unterstützen. Dabei werden die Aufstellung selbst und das, was sich für den Klienten gezeigt hat, nicht thematisiert, denn das Erlebnis einer Aufstellung kann nicht adäquat in Worten ausgedrückt werden.


Verschiedene Sichtweisen

Diese Praxis wird von manchen Aufstellern als nachvollziehbar, jedoch auch als dogmatisch betrachtet. Sie argumentieren dagegen, dass der rationale Persönlichkeitsteil des Ratsuchenden die Aufstellung sowieso verarbeitet, doch mit seiner Interpretationsarbeit wird der Ratsuchende allein gelassen. Deswegen befürworten auch viele eine Nachbesprechung, allerdings nur mit dem Aufstellungsleiter. Bei sehr belastenden Rollen kann auch ein

Austausch der Stellvertreter im Rahmen einer Feedbackrunde unmittelbar nach einer Aufstellungsrunde – in der Regel ohne Beisein des Ratsuchenden – sinnvoll sein.


Organisationsaufstellungen

Bei Organisationsaufstellungen sind Nachbesprechungen in der Regel sinnvoll, sofern bei

der Aufstellung nicht herauskommt, dass es sich um die Reinszenierung eines Familienthemas handelt. Die Nachbesprechung einer Organisationsaufstellung kann folgende Funktionen erfüllen:

  • Akzeptanz bei der Gruppe: Gerade bei Menschen, die sich sonst im rationalen Unternehmenskontext bewegen, besteht ein großes Bedürfnis, solche Nachbesprechungen durchzuführen.

  • Informationen aus der Rolle ergänzen: Der Ratsuchende kann bei den Stellvertretern Empfindungen nachfragen, die er während der Aufstellung nicht erfahren konnte.

  • Spontane Interpretationen entstehen lassen: Bei der Nachbesprechung können Hypothesen darüber aufgestellt werden, welche Zusammenhänge sichtbar geworden sind. Allerdings ist es nicht sinnvoll, die ganze Aufstellung »erklären« zu wollen,

  • Erste Umsetzungsmöglichkeiten eruieren: Aus der Diskussion heraus können mögliche Schritte der Umsetzung herausgearbeitet und gesammelt werden.

Ein weiterer Grund für Nachbesprechungen liegt darin, dass bei Organisationsaufstellungen

oft im Team aufgestellt wird und den Mitgliedern durch ein nachfolgendes Gespräch

die Möglichkeit gegeben wird, sich über ihre Wahrnehmungen während der Aufstellung auszutauschen. Es gibt jedoch keine festen Regeln für eine Nachbesprechung. Vor allem bei entscheidungs- und zielorientierten Managementthemen ist es sinnvoll, das in der Organisationsaufstellung Erlebte bewusst zu reflektieren. Umgekehrt gilt, dass es bei konfliktbeladenen, persönlichen Arbeitsthemen oft ratsam ist, das unbewusste Erlebte wirken zu lassen.


Siehe auch »Nachsorge«.

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