Morphogenetisches Feld



Für das Phänomen der Feldwahrnehmung gibt es bis heute keine allgemein akzeptierte wissenschaftliche Erklärung. Bert Hellinger selbst erwähnt als Erklärungsansatz die Theorie der morphischen oder der morphogenetischen Felder des britischen Biologen Rupert Sheldrake. Der Begriff »Morphogenese« bildet sich aus den griechischen Wörtern »morphe« für Form und »genesis« für entstehen bzw. werden. Morphogenetisches Feld bedeutet in etwa: Wenn sich etwas nach einem bestimmten Muster entwickelt

hat, bestimmt dieses Muster, was in diesem Feld später passiert. Das Muster wiederholt

sich also. Der Begriff des »morphogenetischen Feldes« wurde ursprünglich gebraucht, um zu

erklären, wie sich Organismen aus einer einfachen Zelle zu Pflanzen und Tieren entwickeln

konnten. Es wird davon ausgegangen, dass das morphogenetische Feld eine Art Kraft zur Verfügung stellt, welche die Entwicklung eines Organismus steuert, sodass er eine Form annimmt, die anderen Exemplaren seiner Spezies ähnelt. Sheldrake geht in seiner Theorie davon aus, dass es so etwas wie einen unterbewussten Informationskanal für alle Wesen einer Spezies gibt, der über ein »Gedächtnis« verfügt. Konkret heißt dies auch, dass erworbene Eigenschaften evolutionär an andere Lebewesen weiter gegeben werden. Ein Beispiel: Macht ein Wissenschaftler eine bisher unbekannte Entdeckung, fließt die Erfahrung seiner Entdeckung in das morphogenetische Feld der Menschheit ein. Forschern, die sich zufällig auf dem Weg zu derselben Entdeckung befinden, wird es durch das morphogenetische Feld erleichtert, den Durchbruch in ihrer Forschung zu erlangen.

Es hat sich in der Geschichte schon häufig herausgestellt, dass wichtige Entdeckungen gleichzeitig und unabhängig voneinander in den verschiedensten Ecken der Welt gemacht wurden. Nach Sheldrakes Ansicht ist es für eine Form, die bereits an einem Ort existiert, ein Leichtes, auch an irgendeinem anderen Ort zu entstehen. Nach dieser Hypothese wirkt das morphische Feld nicht nur auf biologische Systeme, sondern auf jegliche Form, beispielsweise auch auf die Bildung von Kristallstrukturen oder sogar von Galaxien. Sheldrake selbst sagte zu Familienaufstellungen: »Als ich zum ersten Mal eine Aufstellung

sah, habe ich die morphogenetischen Felder besser verstanden.«


»Beweise« aus Sicht der Befürworter

  • Ein bekanntes Beispiel, das häufig als Beweis für das Vorhandensein des morphogenetischen Feldes angeführt wird, ist eine bestimmte von Blaumeisen erlernte Methode, um Milchflaschen zu öffnen. In Großbritannien wurden vor dem Zweiten Weltkrieg Milchflaschen mit einem Aluminiumdeckel verschlossen. Eine bestimmte Meisenart entwickelte eine Technik, diese Deckel zu öffnen, um Zugang zur Milch zu bekommen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Milch in Tüten abgepackt und die Meisen waren wieder darauf angewiesen, sich ihre Nahrung auf herkömmliche Art und Weise zu besorgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Milch erneut in die Glasflaschen mit Aludeckeln abgefüllt. Obwohl alle Vögel, die die Fertigkeit des Flaschenöffnens noch aus der Vorkriegszeit hätten kennen können, längst gestorben waren, begannen die Meisen in ganz Großbritannien wieder mit derselben Methode, die Deckel der Milchflaschen zu knacken. Mit einem Mal beherrschten sämtliche Meisen in ganz Großbritannien diese Fertigkeit. Ein ähnliches Phänomen wurde in Japan beim Verhalten von Affen beobachtet, die ihre Nahrung putzten. Auch mit Menschen wurden bereits Tests zur Existenz von morphogenetischen Feldern gemacht: Man gab zwei randomisierten Gruppen unabhängig voneinander ein bereits veröffentlichtes oder ein unveröffentlichtes Kreuzworträtsel einer Zeitschrift. Die Gruppe mit dem älteren Kreuzworträtsel war mit der Lösung schneller fertig als die Gruppe, die das neue Kreuzworträtsel lösen musste. Laut Sheldrake war die Gruppe, die das bereits veröffentlichte Rätsel lösen sollte, unbewusst in Kontakt mit dem morphogenetischen Feld der Leser der Zeitschrift gekommen, die das Rätsel schon gelöst hatten.

  • Ein anderer Beweis laut Sheldrake ist die Arbeit des Forschers William McDougall an der Harvard Universität, der in den 1920er- Jahren die Fähigkeit von Ratten untersucht hatte, aus Labyrinthen herauszufinden. Er konnte nachweisen, dass die Nachkommen von Ratten, die das Labyrinth kannten, schneller hindurchfanden; zunächst brauchten die Ratten 165 Fehlversuche, bevor sie jedes Mal ohne Fehler ihren Weg durch das Labyrinth fanden. Aber einige Generationen später brauchten die Ratten nur noch 20 Fehlversuche. McDougall fand heraus, dass auch Ratten, die keine Nachkommen der trainierten Ratten waren, in einem Kontrollexperiment ihre Lernleistung mit jeder Generation kontinuierlich verbesserten, was zumindest eine genetische Weitergabe des Wissens ausschließt. Sheldrake sah darin den Beweis für die Existenz eines Feldes. In anderen Experimenten konnte jedoch kein signifikanter Unterschied im Lernerfolg nachgewiesen werden.

  • Ein anderes Beispiel stammt aus der Chemie, in der ein anderes noch ungeklärtes »Lernverhalten« bei der Züchtung von Kristallen entdeckt wurde. Wenn eine neue chemische Verbindung erstmals hergestellt wird, geht der Kristallisationsprozess langsam vonstatten; aber wenn andere Forscher das Experiment wiederholen, stellen sie fest, dass der Prozess schneller abläuft. Viele Chemiker schreiben dies der gestiegenen Qualität späterer Experimente zu. Die Fehler der früheren Versuche waren schon dokumentiert und wurden deshalb nicht erneut begangen. Sheldrake hingegen behauptet, dass dies ein weiteres Beispiel für das Vorhandensein eines morphogenetischen Feldes sei: die Kristalle, die bei den ersten Versuchen gezüchtet worden waren, hätten ein Feld erschaffen, auf das die Kristalle aus den später durchgeführten Experimente zurückgegriffen hätten.


Kritische Stimmen

Sheldrakes Theorie der morphogenetischen Felder wird teils als pseudowissenschaftlich

eingestuft, weil wesentliche Anforderungen der Wissenschaftlichkeit wie Kriterien zur Falsifizierbarkeit und Verifizierbarkeit der Experimente nicht eingehalten wurden. Die Existenz der Felder kann derzeit lediglich als Hypothese bezeichnet werden. Diverse Forschergruppen beschäftigen sich hingegen ernsthaft mit dem Beweisen dieser Theorie.

Quellen: 128, 129, 130, 131

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