Mobbing



Allgemein

Das Wort Mobbing kommt vom englischen Wort »mob« für Meute, randalierender Haufen;

»to mob« bedeutet wörtlich pöbeln. Mobber grenzen aus, schikanieren, beleidigen, erniedrigen, quälen und verletzen andere Menschen seelisch. Dies tun sie wiederholt und regelmäßig. Typische Mobbinghandlungen sind z. B. die Verbreitung von Gerüchten, die Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige Kritik an der Arbeit des Opfers. Die meisten Forscher sehen bei Mobbing folgende Punkte erfüllt:

  • Verhaltensmuster: Mobbing ist ein Verhaltensmuster und nicht nur eine einzelne Handlung. Die Handlungsweisen sind systematisch, das heißt, sie wiederholen sich beständig und regelmäßig.

  • Negative Handlungen: Mobbingverhalten kann verbal (z. B. Beschimpfung), nonverbal (z. B. Vorenthalten von Informationen) oder physisch (z. B. Verprügeln) sein. Solche Handlungen gelten üblicherweise als feindselig, aggressiv, destruktiv und unethisch.

  • Ungleiche Machtverhältnisse: Die Beteiligten haben unterschiedliche Einflussmöglichkeiten auf die Situation. Jemand ist jemand anderem unter- beziehungsweise überlegen. Dazu muss kein Rangunterschied vorhanden sein, es kann auch durch die bloße Anzahl bedingt sein z. B. viele gegen einen.

  • Opfer: Mit der Zeit wird immer deutlicher, wer das Opfer dieses Verhaltensmusters ist. Aufgrund der ungleichen Machtverteilung hat es Schwierigkeiten, sich zu verteidigen. Die Schätzung der momentanen Zahl der Mobbingbetroffenen in Deutschland beläuft sich auf über eine Millionen Personen. Jede neunte Person wird also mindestens einmal im Verlauf ihrer Erwerbstätigkeit gemobbt.


Ursachen laut Mobbingforschung

Es wird allgemein angenommen, dass einerseits situative Faktoren sowie andererseits Persönlichkeitsmerkmale des Opfers und des Täters für das Auftreten von Mobbing verantwortlich gemacht werden können. Manche Mobbingforscher bescheinigen, dass Mobbingopfer im Durchschnitt ängstlicher, unterwürfiger und konfliktscheuer sind. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass diese Unterschiede in der Persönlichkeit der Opfer nicht die Ursache, sondern die Folge des jeweiligen Mobbingvorfalls sind. Am weitesten verbreitet ist unter Forschern die Annahme, dass vor allem strukturelle Faktoren Mobbing auslösen. So ist Mobbing eine Waffe im innerbetrieblichen Wettstreit um knappe Ressourcen (wie z. B. Aufstiegspositionen, Arbeitsplatzsicherheit etc.). Bei wachsender volkswirtschaftlicher Konjunktur nimmt das innerbetriebliche Mobbing daher ab, in der Rezession und vor allem bei drohender Arbeitslosigkeit zu.


Konsequenzen für die Betroffenen

Die Folgen von Mobbing gehen ganz erheblich über den bloßen Verlust von Lebensqualität

hinaus. Sie führen oftmals zu massiven gesundheitlichen Problemen. Acht Prozent aller

Selbstmorde in Deutschland sind die Folge von Mobbing. Häufige psychische und körperliche Konsequenzen bei Mobbingopfern sind:

  • Regelmäßige feindselige Angriffe rufen negative Gefühle und starke Verunsicherungen hervor. Am häufigsten nennen Opfer Demotivation, starkes Misstrauen, Nervosität, sozialen Rückzug, Ohnmachtsgefühle, innere Kündigung, Leistungs- und Denkblockaden, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, Angstzustände und Konzentrationsschwächen.

  • Beruflich kann Mobbing zu Kündigung, Versetzung und Erwerbsunfähigkeit des Opfers führen. Circa 20 Prozent der Mobbingopfer kündigen selbst, 15 Prozent werden durch den Arbeitgeber gekündigt und 30 Prozent wechseln freiwillig ihren Arbeitsplatz im Betrieb.

  • Über 40 Prozent der Betroffenen erkranken wegen Mobbings, davon ist fast die Hälfte länger als sechs Wochen krank.


Die privaten und familiären Auswirkungen von Mobbing für die Betroffenen sind vielschichtig. Zu den häufigsten Folgen gehören Unausgeglichenheit, soziale Isolation und

Streit in der Familie beziehungsweise Partnerschaft.


Mögliche Gegenmaßnahmen

Mobbingopfer können allein wenig tun. Die meisten versuchen eine »Vogel-Strauß-Verhalten«: die Attacken ignorieren und den Mobber meiden. Untersuchungen belegen tatsächlich, dass eine direkte Gegenwehr gegenüber den mobbenden Personen selten erfolgreich ist. Die Betroffenen können erst mit Unterstützung innerhalb des Betriebes, z. B. durch Kollegen, Vorgesetzte oder Mitglieder der Interessenvertretung etwas erreichen.

Mobbing in Aufstellungen »nach Hellinger«


Mobbing kann als Versuch angesehen werden, einem Organisationsmitglied sein Zugehörigkeitsrecht streitig zu machen. Oft sind diese Dynamiken seitens des Opfers Reinszenierungen von Familiendynamiken wie Sich-Zugehörig-, Sich-Verlassen- oder Sich-Ausgeklammert- Fühlen. Solche Dynamiken sind häufig das Ergebnis einer unterbrochenen Hinbewegung zur Mutter. Die Betroffenen sehnen sich nach Nähe, Geborgenheit und nach Gesehen-Werden, drehen sich aber aus Angst, noch einmal verlassen zu werden, immer weg, wenn eine intensive Beziehung entstehen könnte. Andere familiäre Dynamiken die Mobbing begünstigen sind Gehen-Wollen-Dynamiken, wie z. B. die Dynamik »Ich folge dir nach«, bei denen der Betroffene selbst oder ein Mitglied seines Familiensystems, mit dem er verstrickt ist, sich nach einem Toten sehnt und selbst sterben möchte (siehe dazu auch »Nachfolge«).

Die Auswirkungen dieser Familiendynamiken werden oft durch besondere Situationen im

Unternehmen begünstigt, z. B. durch Ängste der Belegschaft vor Entlassungen oder durch

unklare Leitungsstrukturen. Dies erklärt auch, wieso die Täter selbst oft unsichere Plätze im

Arbeitssystem haben. Mobbing kann auch die Konsequenz eines Mangels an Führung bzw. an Führungskompetenz sein. Die Mitarbeiter gehen unbewusst in Opposition zum Leiter, und das Mobbingopfer bekommt die berechtigte Wut der Kollegen stellvertretend zu spüren. Auch in diesem Fall ist es das Opfer wieder häufig aus seiner Herkunftsfamilie gewöhnt, die Opferrolle zu übernehmen.

Manchmal sind die Opfer unbewusst selbst die Verursacher ihrer Probleme. Eine unterbrochene Hinbewegung kann z. B. zu einer Narzisstischen Wunde führen. Um Aufmerksamkeit zu erhalten, mischen sich die Betroffenen dann unaufgefordert in den Arbeitsbereich der Kollegen ein und werden deshalb peu à peu von diesen ausgegrenzt. Eine ähnliche Dynamik betrifft Personen, die als Kinder parentifiziert wurden, und sich immer wieder anmaßend über die Arbeit der Kollegen äußern. Auf jeden Fall lohnt es sich zu fragen, ob ähnliche Dynamiken im Familiensystem vorhanden sind.


Lösungsansätze

Es ist wichtig, auf zwei Ebenen zu arbeiten: die Dynamiken im Unternehmen sowie die familiären Dynamiken ans Licht zu bringen. Oft kann nur die Arbeit mit dem Familiensystem zu einer Lösung führen. Mobbingaufstellungen sind keine klassischen Täter-Opfer-Aufstellungen, weil oft keine starke Täter-Opfer-Bindung besteht und die Versöhnung

zwischen Täter und Opfer nicht an erster Stelle steht.

Quellen: 124, 125, 126, 127

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