Metaprinzipien & Grundannahmen systemischer Strukturaufstellungen



Bert Hellinger beobachtete im Laufe der Jahre bei seinen Aufstellungen mit Familien und Organisationen mehrere Grundprinzipien oder Ordnungen in einem System (siehe dazu »Ordnungen der Liebe« und »Ordnungen der Macht«). Dabei sind diese Ordnungen vorgegeben, und erst deren Einhaltung macht eine Lösung möglich. Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd haben die systemischen Prinzipien vervollständigt, systemtheoretisch umdefiniert und auf alle Systeme anwendbar gemacht. Im Gegensatz zu Bert Hellinger betrachten sie diese Prinzipien nicht als normativ (»So muss es sein, und dann funktioniert es«) sondern kurativ, also als richtungsweisende Empfehlungen. Aus ihrer Sicht wird eine dogmatische Auffassung der systemischen Prinzipien der Komplexität eines Systems nicht gerecht. Bei ihnen gibt es auch keine Annahme eines kollektiven Gewissens, das über die Einhaltung solcher Prinzipien wacht.


Die vier Grundannahmen


1. Grundannahme: Prinzip des Primats der Zugehörigkeit

Jedes Systemmitglied hat das gleiche Recht auf Zugehörigkeit (Vollständigkeit und Gleichwertigkeit). Dieses Prinzip sichert die Existenz des Systems, ansonsten wird die Definition der Systemgrenze problematisch: Ist die Zugehörigkeit nicht geklärt, ist es nicht möglich, das System von seiner Umwelt zu unterscheiden und die Systemexistenz wird infrage gestellt. (siehe auch »Zugehörigkeit«)


2. Grundannahme: Prinzipien der zeitlichen Reihenfolge

Das Prinzip der direkten Zeitfolge innerhalb von Systemen: Das Frühere hat Vorrang vor dem

Späteren. Dieses Prinzip sichert die Möglichkeit des Systemwachstums durch das Vermeiden von Verlusten früherer Systemelemente. Systemerhaltung hat dabei Vorrang vor Systemwachstum. Das Prinzip der inversen Zeitfolge zwischen Systemen: Das neue System (z. B. die neue Familie, die Start-up-Firma) hat Vorrang vor dem alten System. Dieses Prinzip sichert die Möglichkeit der Systemfortpflanzung, weil sonst die schwächere Grenze des jüngeren Systems zu dessen Reabsorption durch das ältere oder zur Diffusion führt (siehe auch »Rangordnung in der Familie«).


3. Grundannahme: Vorrang des Einsatzes, der Hierarchie und der Einflüsse

Der Vorrang des höheren Einsatzes (»Wer fühlt sich verantwortlich?«), der systemischen und offiziellen Hierarchie (»Wer ist übergeordnet?«) und der internen und externen Einflüsse (»Wer hat mehr Einfluss?«) ermöglichen es dem System, potenziell stabilisierende Kräfte in ausreichendem Maße auszubilden. Diese sichern damit die Immunkraft des Systems (siehe auch »Ordnungen der Macht«).


4. Grundannahme: Prinzip des Kompetenzvorrangs

Der Vorrang der höheren Leistungen und Resultate (»Wer ist wofür effektiver?«) und der

Vorrang der größeren Fähigkeiten und der inneren Reife (»Wer ist wofür fähiger?«) sichern

durch den optimalen Zugang zu den Ressourcen die Reifung und die individuelle Ausprägung des Systems (Individuation). (siehe dazu auch »Ordnungen der Macht«)


Metaprinzipien


1. Metaprinzip oder Prinzip der Nichtleugnung der Wirklichkeit:

Das Gegebene muss anerkannt werden (siehe dazu auch »Anerkennung,

Würdigung und Achtung«). Die Anerkennung der Realität, des begrenzten

Einflusses, der Vergänglichkeit, der Wahrheit sowie der Respekt vor Größerem und vor besonderer Verantwortung erlauben das Wachstum und die Fortpflanzung des Systems durch das Herausbilden von Immunkräften gegen Krisen.


2. Metaprinzip: Anwendungsreihenfolge der Grundannahmen von 1. bis 4.

Die Arbeit oder eine Lösung auf höherer Ebene ist nicht wirkungsvoll, wenn auf einer tieferen Ebene Störungen vorliegen.


3. Metaprinzip: Kein exakter Ausgleich von Geben und Nehmen

Stabilität in Systemen wird durch den angemessenen Ausgleich von Geben und Nehmen aufrechterhalten. Dabei wird die Bindungsstärke innerhalb des Systems durch den verminderten Ausgleich im Schlechten und den vermehrten Ausgleich im Guten gefördert (siehe auch »Geben und Nehmen«).

126 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Zwangsstörungen