Magersucht



Allgemein


Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine Essstörung, deren Hauptmerkmal absichtlich und

selbst herbeigeführter Gewichtsverlust ist. Durch Hungern und Kalorienzählen wird versucht,

dem Körper möglichst wenig Nahrung zuzuführen. Körperliche Aktivitäten sollen zusätzlich

den Energieverbrauch steigern. Die betroffene Person erkennt dabei den tatsächlichen

eigenen, körperlichen Zustand häufig nicht. Sie empfindet sich selbst bei extremem Untergewicht als zu dick (Körperschemastörung). Folgen der Magersucht sind Unterernährung, Muskelschwund und Mangelernährung. Zu den Langzeitfolgen gehören beispielsweise Osteoporose und Unfruchtbarkeit. 5 bis 15 Prozent der Betroffenen sterben, meist jedoch nicht durch eigentliches Verhungern, sondern durch Infektionen des geschwächten Körpers oder durch Selbstmord. In Deutschland sind etwa 100 000 Menschen betroffen. 90 Prozent der Kranken sind Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, 10 Prozent sind Männer. Die meisten Therapeuten nehmen an, dass der Hauptgrund für Magersucht in der Familie zu suchen ist. In den meisten Fällen handelt es sich um eine unauffällige bürgerliche Familie, die sich selbst gern als absolut »intakt« darstellt.

Magersucht in Familienaufstellungen »nach Hellinger«


Aus Sicht Bert Hellingers betrachtet will das betroffene Kind häufig anstelle eines Elternteils

verschwinden (siehe Stellvertretung). Eine Magersüchtige wird immer weniger, sie »verschwindet « sozusagen, bis sie stirbt. In jedem Fall verbirgt sich ein Toter in der Familie, nach dem sich ein Familienmitglied – meist Vater oder Mutter – sehnt. In der Seele sagt das magersüchtige Kind seinem Vater oder seiner Mutter: »Lieber verschwinde ich als du.« Hier wirkt eine tiefe Liebe. Hinter diesem Verhalten steckt ein magisches Denken, nämlich die Vorstellung, dass man einen anderen von seinem schweren Schicksal erlösen kann, wenn man auch etwas Schweres auf sich nimmt.


Mögliches Aufstellungsbild

Oft geht es beiden, sowohl dem entsprechenden Elternteil als auch dem Kind, nicht gut. Möglicherweise hat er z. B. ein Geschwister früh verloren und will zu ihm (siehe »Nachfolge«). Das magersüchtige Kind will anstelle dieses Elternteils dort hingehen.


Lösungsansatz

Die Dynamik des Elternteils sollte aufgeklärt und gelöst werden. Gibt es etwas, wohin der

Elternteil aus der Familie tendiert? Sobald der Tote seinen Platz in der Familie wieder eingenommen hat, können der entsprechende Elternteil und auch das magersüchtige Kind bleiben. Wenn der Elternteil trotzdem gehen will, gibt es nur eine Person, die das Kind wirklich halten kann, und zwar der andere Elternteil.


Lösende Sätze

  • Für die Dynamik des Elternteils, z. B. beim Verlust eines Geschwisters: »Ja, du bist meine Schwester. Zum ersten Mal sehe ich dich.« Oder: »Ich gebe dir die Ehre. Bitte schaue freundlich, wenn ich bleibe.«

  • Das magersüchtige Kind zum Elternteil: »Lieber verschwinde ich als du.« (erkennen, was ist). Wenn die Tochter beispielsweise dem Vater dabei in die Augen schaut, bis sie ihn wirklich sieht, kann sie diesen Satz nicht mehr sagen, weil sie spürt, dass der Vater das Angebot von ihr nicht annehmen würde. Bei dem magischen Verhalten wird nämlich völlig verkannt, dass auch der andere liebt und dass er die geplante Handlung ablehnen würde.Oder:: »Der Papa bleibt, ich darf auch bleiben!«

  • Wenn der Vater trotzdem nicht bleiben will: »Lieber Papa, was immer du tust, ich bleibe. Ich habe das Leben von dir bekommen, und ich nehme und achte es.« Und: »Mama, ich bleibe bei dir.«

Lösungsbild und Entlassungsritual

Das magersüchtige Kind geht zu seinem Platz in der Familie und will nicht mehr gehen.

Magersucht in der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie


Für Franz Ruppert kann Magersucht durch eine symbiotische Verstrickung mit den Traumata der vorherigen Generationen entstehen – in sehr vielen Fällen sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung der Mutter. Spätestens wenn die Tochter in die Pubertät kommt und weibliche Formen entwickelt, wird die Mutter täglich an ihr Trauma erinnert und kann es nicht mehr verdrängen. Sie beginnt unfreiwillig, ihre Tochter abzulehnen. Diese wiederum kann das nicht verstehen und beginnt ihrerseits, ihre weibliche Entwicklung zu verhindern, indem sie versucht, in der Kinderrolle zu bleiben. Die Magersucht- Dynamik kann sich auch ausbilden, wenn das betroffene Kind selbst Opfer eines Missbrauchs ist.

Zur Dynamik der Magersucht gehört es auch, dass die Eltern des betroffenen Kindes eine gestörte Paarbeziehung haben, z. B. wenn der Mann von der Frau aus rein finanziellen und Statusgründen geheiratet wurde. Insgeheim strebt die Mutter von der Familie weg und kann daher dem Kind keinen sicheren emotionalen Halt bieten. Das Kind erleidet dann ein Symbiosetrauma und verhungert emotional. Seine Weigerung zu essen, bringt dies symbolisch zum Ausdruck. Wenn eine suizidale Dynamik vorhanden ist, (lebensgefährlicher

Gewichtsverlust) besteht zusätzlich zum Bindungstrauma eine Neigung, einem Toten aus

der Familie folgen zu wollen (siehe dazu »Nachfolge«).

Quellen: 107, 108, 109, 110

Querverweise: »Krankheit«.

125 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Zwangsstörungen