Lösung



Lösung im Familienstellen »nach Hellinger«


Bei Bert Hellinger ist eine Lösung dann erreicht, wenn eine gute systemische Ordnung hergestellt wurde, das heißt, jedes Systemmitglied gewürdigt wurde und den ihm angemessenen Platz eingenommen hat. Dann wurden Verstrickungen gelöst und die Liebe wird wieder zum Fließen gebracht. Lösungen verschaffen den Ausgeklammerten wieder ihren Platz in ihrer Familie, klären die Rangfolge der Familienmitglieder und die familiären Zuständigkeiten, entlasten die, die zu schwer tragen, und versöhnen mit dem eigenen Schicksal.

Für eine Lösung ist Folgendes wichtig: Was aus Liebe geschah, kann sich nur in Liebe wieder

auflösen. Aus Hellingers Sicht entstehen Symptome immer aus Liebe. Alle Lösungen, die an

der Liebe vorbeigehen, werden deswegen als falsch betrachtet. Aufsteller suchen folglich so

lange, bis sie den Punkt finden, ab dem die Person liebt. Dabei ist jede Lösung anders. Der Aufstellungsleiter kann sich nicht auf etwas verlassen, z. B. auf ein Ritual, das früher funktioniert hat. Er muss jedes Mal völlig neu aufstellen. Es ist unter Aufstellern umstritten, ob Lösungsbilder bewusst verstanden werden müssen oder ob sie dem Unbewussten des Ratsuchenden die nötigen Impulse geben, auch wenn sie nicht verstanden werden. Manche Aufsteller halten es für wichtig, dass der Ratsuchende die Verbindung zwischen dem Geschehen in der Aufstellung und seinen Problemen bewusst versteht und annimmt.


Lösungs- und Bewegungsorientierung

Seit er mit der Methode geistige Aufstellung arbeitet, sagt Bert Hellinger, dass er nicht mehr

lösungs- sondern bewegungsorientiert arbeitet, das heißt, er folgt der Bewegung des Geistes, ohne die Absicht auf eine Lösung für den Ratsuchenden zu richten.


Umgang mit der Lösung

Aufstellungen geben in der Regel keine direkten Handlungsanweisungen,

sondern ändern nur die Bedeutungsgebung. Manchmal ergeben sich daraus Fragen zur Übertragbarkeit von Ergebnissen einer Aufstellung in die Lebenspraxis.

Für viele Aufsteller erfordern Lösungen in Aufstellungen oftmals keine bewusste Handlung,

sondern bestehen vielmehr darin, auf einer tiefen Ebene zu verstehen und anzuerkennen,

was ist. Nichtstun ist in den meisten Fällen wirkungsvoller als absichtsvolles Handeln, obwohl

dieses Nichtstun oft einen entscheidenden Unterschied in der Haltung des Ratsuchenden bewirkt. Man kann die Aufstellungsarbeit vereinfacht mit dem Ausdruck »von der blinden Liebe zur sehenden Liebe« umschreiben. Diese sehende Liebe kommt unmittelbar in den Aufstellungen und in den inneren Prozessen des Ratsuchenden nach einer Aufstellung zum Zuge und hat konkrete Auswirkungen im Alltag. Es gibt Ausnahmen von dieser Regel: Bei Störungen im Ausgleich von Geben und Nehmen muss der Ausgleich fast immer auch real hergestellt werden. Auch bei Organisationsaufstellungen sind manchmal klare Maßnahmen

notwendig, um ein Unternehmen oder ein Team aus einer Schieflage zu befreien. Manchmal

geben Aufsteller dem Ratsuchenden teilweise sehr konkrete Aufgaben mit auf den Heimweg. Hellinger empfahl z. B. einer Ratsuchenden, sie solle Tschechisch lernen, weil ihr Vater aus Tschechien und ihre Mutter aus Deutschland kamen und sie somit zwei Heimatländer hatte, die es zu achten galt. Für Hellinger ist eine Lösung immer endgültig, weil die systemische Ordnung in der Familienseele oder im »Geist« wiederhergestellt wurde. Lösung wird nicht als Prozess betrachtet.

Lösung in der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie


Franz Ruppert bezeichnet mit »innerer Heilung« den Heilungsprozess durch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen.

Für ihn berücksichtigen weder das klassische Familienstellen noch die

anderen Therapieformen, dass traumatisierte Menschen mit Abspaltungen leben, ohne die

sie nicht hätten überleben können, die aber trotzdem wieder integriert werden müssen.

»Innere Heilung« bedeutet das Erkennen und Aufgeben von Überlebensstrategien, die Entwicklung von gesunden psychischen Strukturen sowie die Verbindung von gesunden und traumatisierten Anteilen. Das Ziel seiner Aufstellungen auf der Grundlage von Bindung und

Traumata ist es, zunächst die Überlebensstrategien zu erkennen und zu entmachten, um danach die abgespaltenen Persönlichkeitsanteile des Ratsuchenden wieder integrieren zu können. Dies kann nur in einem längeren Therapieprozess geschehen.

Lösung bei Systemischen Strukturaufstellungen


Eine Lösung zu finden, bedeutet für Strukturaufsteller nur, dass etwas besser werden muss

als zuvor. Die Systemischen Strukturaufstellungen zielen darauf ab, dem Ratsuchenden Überblick, Klarheit, neue Aspekte anzubieten, mit ihm verschiedene Maßnahmen zu testen und dadurch hilfreiche Interventionen zu erfahren.

Das Lösungsbild kann ideengenerierend sein oder inhaltlich neue Informationen ergeben.

Zum Lösungsbild gehört auch der Weg zur Lösung. Es stellt damit nur den Beginn und nicht

das Ende des Lösungsprozesses dar. Das Lösungsbild zeigt lediglich Möglichkeiten

zur Veränderung des Systems aus der Perspektive des Ratsuchenden auf. Konstruktivisch

betrachtet (siehe dazu auch »Strukturaufstellung«) ist die Lösung der Beginn einer neuen

Konstruktion der Wirklichkeit.

Bei der Suche nach der Lösung besteht das Ziel darin, ein Bild zu finden, in dem sich alle Repräsentanten zumindest neutral oder besser als zuvor fühlen. Gleichzeitig dienen die Äußerungen der Repräsentanten und die Zustimmung des Ratsuchenden als Maßstab, ob ein taugliches Lösungsbild erreicht wurde oder nicht. Es wird besonders darauf geachtet, dass das Lösungsbild für den Fokus ausgesprochen gut passt. Manche Veränderungswünsche der anderen Repräsentanten müssen unerfüllt bleiben, solange sich

diese neutral oder besser fühlen, damit für den Ratsuchenden das mögliche Optimum erreicht werden kann. Damit die Lösung beim Ratsuchenden wirkt und

sich daraus später ein Handlungsschritt für ihn entwickeln kann, sollte sie Folgendes erfüllen:

  • Sie muss »verankert« werden. Der Ratsuchende nimmt das Lösungsbild mit einer Geste in sich auf, indem er die Arme ausbreitet und abschließend mit einer Bewegung beider Hände zum Herzen die Erfahrung des Lösungsbildes »einfaltet«, während er nochmals alle Repräsentanten ansieht.

  • Sie muss dem Gegebenen hinsichtlich seiner Vielfältigkeit und der Beziehungsstruktur ähnlich sein.

  • Sie muss als solche wahrgenommen werden. Aus diesem Grund tritt der Ratsuchende zum Schluss ins Bild. Das Bild ist nur passend, wenn dies vom Ratsuchenden so empfunden wird. Etwas, was der Ratsuchende negiert, ist nicht passend und somit im systemischen Sinn nicht tauglich und kann daher kein passendes Lösungsbild sein.


Umgang mit der Lösung

Nach dem Finden eines Lösungsbildes sind die Aufgaben des Ratsuchenden: das Lösungsbild verankern, wirken lassen und sich daran erinnern. Weil das Lösungsbild nur eine Möglichkeit der Veränderung für den Ratsuchenden darstellt, folgt daraus, dass es nicht als absolute Handlungsanweisung in eine bestimmte Richtung zu verstehen ist. Es sollte sich zwar nach Lösung dem Betrachten des Lösungsbildes eine Handlung in der Außenwelt ergeben, diese Handlung sollte jedoch beim Ratsuchenden selbst entstehen, weil dieser die gewonnenen Erfahrungen in sich speichert und bei Bedarf das verankerte Bild »entfaltet«, um zu neuen Möglichkeiten zu gelangen. Für Strukturaufsteller gibt es keine »endgültige« Lösung. Eine Aufstellung ist Teil eines Prozesses, in dessen Verlauf möglicherweise

andere Ansätze und Methoden angewandt werden müssen oder in dem weitere

Aufstellungen notwendig sind.

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