Krankheit/ psychische & körperliche Störungen und Krankheiten



Krankheiten in Familienaufstellungen »nach Hellinger


Krankheiten sind aus Sicht Bert Hellingers ein Ausdruck systemischer Unordnung und ein

Versuch, diese Unordnung aufzulösen. Dies ist allerdings ein ungeeignetes Verfahren, weil es

auf Kosten des Organismus geht. Eine wirkliche Lösung muss die Unordnung selbst beheben. Familienaufstellungen heilen deshalb keine Krankheiten, sondern sie bringen etwas im Familiensystem wieder in Ordnung, was die Heilung der Krankheit unterstützen kann. Bei einigen Krankheiten, die einen primär psychosomatischen Hintergrund haben, können die Erfolge aber oft auch unmittelbarer sein, z. B. bei Bulimie oder bestimmten Formen von Migräne. Verschiedene Dynamiken können zu Krankheiten führen:


Verstrickung mit einem ausgeschlossenen Systemmitglied: Systemisch gesehen verbindet uns die Krankheit oft mit einem ausgeschlossenen Systemmitglied. Eine Krankheit vertritt dann diese Person. Die gleiche Bewegung des Ausschlusses gegenüber einer Person vollzieht sich in unserer Haltung gegenüber der Krankheit.


Manchmal aber ist die Krankheit willkommen, weil sie Verbindung zu einem geliebten Systemmitglied schafft. Der geheime Sinn von Krankheit kann sein:

  • jemandem in der Familie ähnlich zu werden, z. B. einem behinderten oder kranken Angehörigen (siehe »Nachahmung«),

  • jemandem unbewusst nachzufolgen, z. B. einem früh Verstorbenen (siehe »Nachfolge«),

  • jemanden durch Selbstopferung retten zu wollen (siehe »Stellvertretung«).

  • Sühne für Schuld: Eine weitere Dynamik, die zu Krankheit, zu Selbstmord, Unfall und Tod führt, ist der Wunsch nach Sühne für Schuld, wie z. B. für einen Vergewaltiger im Familiensystem.

Manchmal ist auch etwas schicksalhaft geschehen, das anderen einen Schaden

zugefügt hat. Das wird dann als Schuld erlebt. Das Kind einer Frau, die bei dessen Geburt

gestorben ist, wird z. B. häufig krank. Hinter dem Bedürfnis nach Ausgleich, das krank

macht, steckt ein magisches Denken, nämlich die Vorstellung, einen anderen von seinem

schweren Schicksal erlösen zu können, indem man auch etwas Schweres auf sich nimmt.

Dieses magische Denken in Verbindung mit Liebe stellt eine Anmaßung dar, die mit einem

Gefühl von Macht und Überlegenheit einhergeht. Das Kind – und später der Erwachsene

– meint tatsächlich, es könne durch seine Krankheit und sein Sterben den anderen von

dessen Krankheit und Tod erretten. Eine solche Vorstellung abzulegen gelingt nur durch

Demut.

Ablehnung der Eltern: Eine dritte krankmachendeDynamik stellen die Ablehnung der

Eltern und damit verbundene Vorwürfe an sie dar. Dazu zählen beispielsweise öffentliche

Anklagen, Rechtsstreitigkeiten oder die Verweigerung der Unterstützung und Pflege.

Solche familiären Hintergründe werden oft bei Krebserkrankungen beobachtet.


Lösungsansatz

Für detaillierte Lösungsansätze siehe die Artikel zu den jeweiligen Beschwerden und Krankheiten. Laut Bert Hellinger entsteht Krankheit aus Liebe. Die Grundbewegung zur Heilung ist daher genau entgegensetzt der üblichen Methode. Anstatt die Krankheit loswerden zu wollen, wird sie bzw. das Systemmitglied, das sie vertritt, hereingeholt. Im Allgemeinen besteht der erste Schritt darin, die ausgeschlossene Person im Familiensystem zu finden. Wenn die ausgeschlossene Person im Herzen des Kranken ihren Platz bekommen hat, kann er sich wieder dem Leben zuwenden.


Aufstellungstechnik

Manche Aufsteller stellen bei Krankheiten systematisch drei Repräsentanten auf: den Ratsuchenden, die Krankheit und die (zunächst noch unbekannte) Person im Familiensystem, mit der der Ratsuchende durch die Krankheit verbunden ist.


Eine Übung

Bert Hellinger führt manchmal im Verlauf seiner Seminare folgende Übung durch: Die Teilnehmer sitzen mit geschlossenen Augen in entspannter Haltung, während er zu ihnen sagt: »Stelle dir vor, du stehst in der Mitte von vielen Menschen aus deiner Familie, aber auch von vielen anderen. Du reibst dich mit Körperkontakt von einem zum anderen, und fühlst dich dazugehörig – ganz dazugehörig. Dann entlässt du diese Krankheiten oder Beschwerden aus dir. Sie wandern herum und reiben sich mit Berührung und einfach im Kontakt an verschiedenen Personen. Während sie sich so bewegen, bleibst du auf deinem Platz. Du bleibst unter allen auf deinem Platz. Die Krankheiten suchen unter den vielen

ihren Platz und kommen dort zur Ruhe«.

Krankheit in der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie


Für Franz Ruppert ist das gängige Verständnis des Begriffs »Krankheit« ein falscher Denkansatz. Schmerzen, Entzündungen, Fieber und nicht mehr funktionierende Organe sind lediglich Alarmzeichen des Körpers. Die Symptome sind nicht das Problem, sondern eine sinnvolle Reaktion auf die Gefährdung.

Aus seiner Sicht kann man zahlreiche körperliche, aber auch psychische Krankheitssymptome

wie Ängste, Depressionen, Zwänge, Süchte und auch Psychosen als sinnvolle Reaktionen auf

Traumata und Überforderungssituationen deuten.

Sie schützen die Person vor weiteren seelischen Schmerzen und Gefühlen, denen sie sich

nicht aussetzen will, verhindern jedoch damit auch ihre psychische Weiterentwicklung.

Wenn das Verständnis zu den Schutzfunktionen der Symptome verinnerlicht ist, können Krankheiten durch eine ursachen- und traumaorientierte Vorgehensweise verstanden und geheilt werden. Das Symptom muss allerdings in seiner Bedeutung erkannt werden. Nur wenn eine Alternative für die symptomatische Bewältigung der erlebten Bedrohungen existiert, kann das Symptom verschwinden und eine reifere Bewältigungsform des inneren Konflikts einsetzen. Zur traumabasierten Diagnostik gehört es, das Neben- und Gegeneinander der durch das Trauma getrennten Persönlichkeitsanteile zu untersuchen

und in ihrer Dynamik zu begreifen.

Laut Ruppert unterstützt dabei die klassische Medizin eher den Überlebensanteil eines traumatisierten Menschen, ohne die Dynamiken des Traumaanteils ans Licht zu bringen. Sie hilft z. B. den traumatisierten Menschen dabei, die körperlichen Beschwerden nicht als Ergebnisse ihrer Traumaerlebnisse anerkennen zu müssen. Belastende Ängste, Wut, Scham- und Schuldgefühle können weiterhin geleugnet und unterdrückt werden.

Krankheiten bei Systemischen Strukturaufstellungen


Strukturaufsteller sind radikal lösungsorientiert und bieten deswegen keine Theorie zu den Ursachen von Problemen oder Krankheiten an. Sie gehen in der Regel nicht davon aus, dass der häufig festgestellte Zusammenhang zwischen der Verletzung von Ordnungsprinzipien und der Entstehung von Krankheiten eine Kausalität darstellt. Anders gesagt: Die Ordnungsverletzungen werden von ihnen nicht als eine Ursache für Krankheiten betrachtet, sondern nur als ein kuratives Mittel. Matthias Varga von Kibéd verdeutlicht dies anhand des Beispiels Aspirin: Das Medikament ist ein kuratives Mittel für Kopfschmerzen, obwohl Kopfschmerzen nicht durch Aspirinmangel hervorgerufen werden.


Wichtige Bemerkung

Familienaufstellungen ersetzen keine sorgfältige ärztliche, heilkundliche oder psychiatrische

Betreuung, können diese jedoch gut unterstützen und ergänzen.

Hellinger unterstützt diese Bemerkung und sagt dazu: »Es braucht deshalb zur Heilung neben der ärztlichen Hilfe im engeren Sinn auch seelenkundliche Hilfe«. Wenn die systemische Dynamik ans Licht gebracht und gelöst wird, »dann kann die medizinische Behandlung natürlich ganz anders wirken, oder andere Heilmethoden auch, als wenn diese Zusammenhänge nicht verstanden und angeschaut werden«.

Bert Hellinger hat auch oft Aufstellungen durchgeführt, in denen Schulmedizin und Alternativmedizin aufgestellt wurden. Sein Fazit: »Die Schulmedizin hat einen Vorrang, also

kommt sie an erster Stelle, und sie muss als an erster Stelle anerkannt werden.«

Aufstellungen sind keine »Wunderheil«-Veranstaltungen, und nicht in jedem Fall beginnen die Kräfte der Selbstregulation wieder so zu fließen, dass Heilung möglich ist. Wo dies nicht mehr möglich ist, weil z. B. ein Tumor zu weit fortgeschritten ist, geht es darum, das anzuerkennen, was ist und das zuzulassen, was an gutem Leben noch möglich ist.

Quellen: 94, 95, 96, 97

Querverweise: »Krankheitsaufstellung«, »Symptomaufstellung« und die Artikel zu den

einzelnen Krankheiten selbst.

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