Klassisches Familienstellen »nach Hellinger«



Das »klassische« Familienstellen, wie es Bert Hellinger bis etwa Ende der 1990er-Jahre praktiziert und vorgemacht hat, findet vor allem in Seminarform statt. Hier treffen Menschen mit Anliegen, aber auch andere Interessierte, die nur als Stellvertreter fungieren wollen, zusammen, um einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen.

Meist wird in mehreren Runden gearbeitet, das heißt, jeder Teilnehmer hat der Reihe nach die Gelegenheit, sein Anliegen herauszuarbeiten. Im Grunde handelt es sich aber eher um eine Einzelarbeit im äußeren Rahmen einer Gruppe. Auch Fragen an den Seminarleiter können gestellt werden. Das Ziel vom klassischen Familienstellen ist einerseits, die familiäre Dynamik zu erkennen, die zum Problem geführt hat, und andererseits, die gestörten Beziehungen so zu verändern, dass sie den allgemeingültigen Systemregeln von Zugehörigkeit, Ordnung und dem Ausgleich von Geben und Nehmen entsprechen.


Der Ablauf ist wie folgt:

  1. Der Aufstellungsleiter führt zuerst ein kurzes Vorgespräch, in dem der Ratsuchende sein Anliegen schildert. Dabei geht es darum, die Frage, die in der Aufstellung beantwortet werden soll, möglichst prägnant und kraftvoll zu formulieren. Dazu ist vor allem Kenntnis der wichtigsten Fakten nötig: Wer gehört zur Familie bzw. zum System? Wer fehlt eventuell oder ist ausgeschlossen? Gibt es besondere Schicksale? Oft ergeben sich schon hier für den Aufstellungsleiter erste Hinweise auf mögliche systemische Hintergründe des Anliegens.

  2. Der Aufstellungsleiter bestimmt dann die Systemelemente, die aufgestellt werden. Das können z. B. sein: // Personen wie der Vater, die Mutter, der Partner, das Kind und natürlich der Ratsuchende selbst, // Symptome wie Depressionen, Rückenschmerzen oder Panikattacken, // Konstrukte wie Liebe, Hoffnung, Leben, Fluch, Angst, // Kontexte wie »nicht Rauchen«, Alkoholprobleme, Fremdgehen, eine neue Liebe usw.

  3. Der Ratsuchende wählt für die im Vorfeld als wichtig erachteten Elemente unter den Anwesenden Stellvertreter aus.

  4. Die einzelnen Stellvertreter werden nacheinander vom Ratsuchenden im Raum intuitiv »passend« aufgestellt, sodass sich ein für ihn stimmiges Ausgangsbild ergibt, das die Problemsituation ausdrückt. Der Ratsuchende sitzt anschließend neben dem Aufstellungsleiter.

  5. Die unterschwelligen Beziehungen der Familienmitglieder werden durch die Positionen der Stellvertreter im Raum, durch ihre Blickrichtungen und durch Nähe oder Distanz zwischen ihnen verdeutlicht. Das Ausgangsbild spiegelt das Beziehungsgeflecht der Familie wider und enthält nicht selten versteckte Informationen, die dem Ratsuchenden in dieser Weise nicht bewusst waren. Es zeigt z.B.: // wer in einem System innerlich nicht an seinem Platz steht und was ihn/sie daran hindert, // wer mit wem in gutem oder weniger gutem // Kontakt steht, // wer belastet und wer unbelastet ist, // welche innere Haltung zur Belastung führt usw.

  6. Die Stellvertreter fühlen sich in ihre jeweiligen Positionen ein. Im klassischen Familienaufstellen werden in der Regel die einzelnen Repräsentanten vom Aufstellungsleiter nach ihren Gefühlen befragt.

  7. Im Verlauf der Aufstellung wird das ursprüngliche Aufstellungsbild allmählich in ein Lösungsbild umgewandelt. Meistens sind mehrere Lösungsschritte bis zum Entstehen eines Lösungsbildes notwendig, durch das eine gute systemische Ordnung wiederhergestellt wird. Ausgeklammerte Familienmitglieder werden wieder aufgenommen, Tote werden verabschiedet und losgelassen, übernommene Gefühle und Aufträge werden zurückgegeben. Klassische Aufstellungen laufen dabei überwiegend statisch ab: Die Stellvertreter bleiben stehen und werden vom Aufstellungsleiter nach ihrem Empfinden, ihren Wahrnehmungen und Gefühlen befragt und dann gegebenenfalls an eine andere Stelle geführt, bis ein Platz gefunden wird, an dem sich alle wohlfühlen. Dabei übernimmt der Aufstellungsleiter durch seine Interventionen, wie z. B. die Veränderungen der Positionen der Stellvertreter oder durch rituelle Sätze eine führende Rolle.

  8. Der Aufstellungsleiter verfolgt durch seine Interventionen das Ziel, ein Lösungsbild zu erarbeiten, in dem sich optimalerweise alle aufgestellten Personen wohlfühlen und das dem Ratsuchenden als neues inneres Bild angeboten werden kann. Der Prozess der Befragung und der Verschiebung wird so lange wiederholt, bis eine Lösungskonstellation gefunden ist.

  9. Am Schluss tritt der Ratsuchende in das Lösungsbild ein, führt möglicherweise gewisse Rituale durch und lässt das Bild auf sich wirken.

  10. Der Aufstellungsleiter beendet den Aufstellungsprozess, indem er sich bei allen Stellvertreter für ihre Bereitschaft und Teilnahme bedankt, und diese bittet, bewusst aus den Rollen auszusteigen und wieder den eigenen Platz einzunehmen,

  11. Nach der Aufstellung achtet der Leiter in einer Nachbesprechung darauf, dass noch offene Fragen geklärt werden, und er gibt möglicherweise Hinweise für eine Integration der gemachten Erfahrung in den Alltag, wenn dies nötig erscheint. Er beschränkt sich in der Regel nur auf das, was der Klient für sein weiteres Handeln benötigt.

Querverweise: »Bewegung der Seele«, »Geistiges Aufstellen« und »Inneres Aufstellen«

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