Kinderlosigkeit und künstliche Befruchtung



Ungewollte Kinderlosigkeit

Ungewollte Kinderlosigkeit ist für Paare ein schweres Los, das sie, wenn sie es gemeinsam

tragen, verbindet. Aus Sicht Bert Hellingers hat jedoch der fruchtbare Partner das Recht, zu

gehen und die Beziehung zu beenden, so hart es auch klingt (siehe auch »Paarbindung«). Ist

einer der Partner unfruchtbar – auch durch Sterilisation – und bleibt der andere Partner

dennoch, so muss sein Verzicht auf Kinder gewürdigt werden, in einer Aufstellung z. B. mit

dem Satz »Ich kann keine Kinder zeugen. Ich nehme es als Geschenk, wenn du dennoch bei

mir bleibst.«


Gewollte Kinderlosigkeit

Wenn beide Partner jedoch keine Kinder bekommen wollen, schwächt dies ihre Paarbindung. Für Bert Hellinger ist Liebe kein bleibender Zustand, sondern sie ist auf Wachstum ausgerichtet. Werden das Wachstum und die damit verbundenen Schritte verweigert, gerät das Fundament der Partnerschaft ins Wanken. Vor allem wenn nur einer der Partner ein Kind möchte, geht die Beziehung fast immer in die Brüche. Das ist die Konsequenz der Entscheidung, die man tragen muss. Will einer der Partner kein Kind bekommen und der andere Partner bleibt dennoch, so muss sein Verzicht auf Kinder gewürdigt werden.

Wenn eine Frau zu dem Schluss kommt, dass für sie eine erfüllte Mutterschaft nicht möglich

ist, z. B. weil sie Karriere machen möchte, ist es wichtig, um den Verlust zu trauern. Wenn sie allerdings nach dem Motto »Ach, Kinder braucht man nicht« lebt, verachtet sie das nicht Verwirklichte. Das nimmt etwas von dem, was sie gewählt hat, nämlich die Karriere. Nur wenn sie das nicht Verwirklichte – das Kind – achtet, kann sie ein ausgefülltes Berufsleben haben. Durch den ganz bewussten Verzicht wird etwas dazugewonnen. Hinter der Thematik gewollte Kinderlosigkeit verbirgt sich oft ein schweres Schicksal in der Familie. Erst wenn die Verstrickung zu diesem Schicksal gelöst ist, taucht der Wunsch, Kinder zu bekommen, auf.


Künstliche Befruchtung

Künstliche Befruchtung ist heutzutage keine Seltenheit mehr. Insgesamt werden jährlich allein in Deutschland circa 20 000 Babys geboren, deren Eltern sich für eine künstliche Befruchtung entschieden hatten. Weltweit wurden mittlerweile vier Millionen Kinder per Intra-Vitro-Befruchtung gezeugt.

Wenn der Samen vom Mann kommt, hat eine künstliche Befruchtung laut Bert Hellinger keine systemischen Konsequenzen. Kommt der Samen jedoch von einem anderen Mann, geht die Paarbindung oft auseinander. Eine künstliche Befruchtung wird auch oft wie ein Familiengeheimnis behandelt, und dem Kind wird meistens verheimlicht, wer sein leiblicher Vater ist – wenn dieser überhaupt bekannt ist. Das Kind spürt jedoch in seiner Seele, das der Partner seiner Mutter nicht sein Vater ist (siehe die systemischen Konsequenzen dazu in »Adoption«).


Lösende Sätze

Z. B. wenn das Kind nicht wusste, dass es durch künstliche Befruchtung gezeugt wurde:

  • Die Mutter zum Kind: »Ich habe dich um deinen Vater betrogen.«

  • Der Mann der Frau zum Kind: »Du bist nicht mein Kind, doch ich liebe dich wie ein Vater.«

  • Das Kind zur Mutter: »Ich nehme mein Leben auch auf diese Weise an.«

  • Das Kind zum Vater: »Danke für die Liebe und für alles, was du mir gegeben hast.«

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