Interventionsformen des Aufstellungsleiters



Der Aufstellungsleiter unterstützt die Entwicklung einer Aufstellung durch gezielte Interventionen. Interventionen können als Fragen an das System verstanden werden. Sie haben einen Testcharakter und sind eher als Angebote und nicht als Vorschriften zu verstehen. Interventionen werden bei der Arbeit nach den Bewegungen der Seele oder bei geistigem Familienaufstellen sehr sparsam, wenn überhaupt, benutzt. Nach Insa Sparrer lassen sich die Interventionen in Aufstellungen in drei Kategorien unterteilen:


Stellungsarbeit

Unter Stellungsarbeit werden Anordnungsänderungen, wie etwa das Umstellen, das Verändern von Blickrichtungen und das Dazustellen von Systemteilen verstanden. Bei der Stellungsarbeit wird der räumliche Aspekt betont. Übliche Interventionen der Stellungsarbeit sind:

  • Veränderte Anordnung der Stellvertreter bzw. der Systemteile: Der Aufstellungsleiter weist den Repräsentanten einen anderen Platz zu. Das Ziel ist in der Regel eine Verbesserung der Befindlichkeit der Stellvertreter. Solche Intervention dient die Entwicklung eines Zwischen- oder Lösungsbildes.

  • Ergänzen von vergessenen Systemmitgliedern (bei Strukturaufstellungen »Extension« genannt): Nicht selten muss das System mit unbeachteten oder vergessenen Systemmitgliedern (z. B. ein ausgeschlossener Onkel) oder Systemteilen (z. B. die »Aufgabe« bei Organisationsaufstellungen) ergänzt werden. Schauen z. B. alle Stellvertreter in eine Richtung, bedeutet dies oft, dass auch hier noch ein Stellvertreter ergänzt werden muss. Manchmal weisen sogar Repräsentanten selbst darauf hin oder der Aufstellungsleiter besetzt »energetische Leerstellen« im Aufstellungsfeld, die er wahrgenommen hat.

  • Bei Familienaufstellungen »nach Hellinger« kann das neu aufgestellte Element eine feste Zuordnung bekommen, z. B. »deine Mutter« oder auch nur einen vorläufigen Begriff wie »das Geheimnis« oder auch nur »das, worum es geht«.

  • Bei Strukturaufstellungen werden diese Ergänzungen mithilfe der kataleptischen Hand getestet, und erst dann wird ein weiterer Repräsentant eingesetzt. Es spielt keine Rolle, wen oder was dieser zusätzliche Repräsentant vertritt. Meist wird es »das, was fehlt« oder »das, worauf Repräsentant X schaut« genannt.


Prozessarbeit

Unter Prozessarbeit fallen Interventionen, die vor allem Veränderungen des energetischen Zustands bei den Repräsentanten hervorrufen. Bei der Bezeichnung Prozessarbeit wird der zeitliche Aspekt hervorgehoben. Typische Interventionen der Prozessarbeit sind z. B.:

  • Gesten, wie Hinwendung, Abwendung, Änderung der Blickqualität (z. B. in Blickkontakt treten), sich die Hände reichen, Berührungen oder Worte mit Handbewegung unterstützen etc., .

  • Ausgleichs- und Rückgaberituale, Rituale zur Würdigung wie z. B. eine Verneigung,

  • verbale Interaktionen wie klärende oder lösende Sätze,

  • Hinstellen von Personen, die unterstützend und kräftigend wirken, z. B. ein Elternteil, die aber nicht primär etwas mit der Dynamik zu tun haben, wird auch als Prozessarbeit bezeichnet. Durch das Dazustellen dieser Personen kann die Verbindung zu Kraftquellen oft bestärkt werden. Diese Technik wird auch benutzt, um dem Stellvertreter Kraft zu geben, wenn eine bestimmte Rolle für den Stellvertreter sehr unangenehm wird.

Oft wird die Prozessarbeit auch »Energiearbeit« genannt. Es geht dabei primär um die Stärkung der Verbindungen zwischen den Systemteilen.


Tests

Tests sind vorübergehende Änderungen der Anordnung zur Überprüfung von Hypothesen.

Im Augenblick des Tests ist das Ziel nicht – wie bei der Stellungsarbeit – eine Verbesserung der Befindlichkeit, sondern die Klärung, Verdeutlichung und Überprüfung möglicher Dynamiken, z. B. ob es einer Person auf dem Platz eines gemobbten und entlassenen Kollegen besser geht. So können Identifikationen bzw. Kontextüberlagerungen aufgedeckt werden.

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