Inneres Familienstellen



Bert Hellinger praktiziert eine ganz besondere Form des geistigen Aufstellens, die er in seinem Buch »Die Liebe des Geistes« als »inneres Familienstellen« oder »geistiges Familienstellen in einem Satz« bezeichnet. Bei dieser Arbeit wird die ganze Aufstellung ins Innere verlegt. Am auffälligsten ist bei dieser Aufstellungsform die veränderte Ausgangslage: Es wird nicht mehr ein System mit Stellvertretern räumlich aufgestellt, sondern ein Ratsuchender schildert dem Aufstellungsleiter nur noch kurz sein Anliegen.

Aufgestellt wird nur noch virtuell im Geiste. Bert Hellinger bittet den Ratsuchenden, einfach zu schweigen – mal mit geschlossenen Augen, mal während er ihn anschaut. Die Stille kann lange dauern, oft fünf bis zehn Minuten. In der Regel bewegt sich dann emotional etwas beim Ratsuchenden. Z. B. weint er, oder es tritt eine tiefe Entspannung ein. Es kann vorkommen, dass Bert Hellinger plötzlich sagt: »Das war's.« Niemand hat etwas verstanden, aber trotzdem kann jeder sehen, dass etwas geschehen ist. Manchmal deutet sich auch eine fast unmerkliche Bewegung beim Ratsuchenden an, z. B. eine Bewegung der Hand oder ein angedeutetes Senken des Kopfes. Dann übernimmt Hellinger diese Bewegung, indem er z. B. die Hand auf den Hinterkopf des Ratsuchenden legt und dessen Neigung dadurch leicht unterstützt. Oft sagt Hellinger nur einen Satz und beendet damit die »Aufstellung«.

Hellinger schildert sein Vorgehen folgendermaßen: »Ein Klient präsentiert ein Problem, und

er nennt dabei bestimmte Personen. […] Ich stelle mir die Menschen vor, die dazugehören,

und bin ihnen allen gleichermaßen zugewandt. Ich setze mich ihnen aus auf Abstand, ohne

etwas Bestimmtes zu wollen und ohne etwas zu fürchten. Dann warte ich auf den Hinweis.

Dieser Hinweis hilft allen gleichermaßen. Er ist also nicht allein auf das ausgerichtet, was dem Klienten hilft. Er hilft allen gleichermaßen. Das zeigt, dass es ein Satz ist, der aus einer geistigen Bewegung kommt. Wenn dieser Satz gefunden und gesagt wird, ist alles vorbei. Kein zusätzliches Wort! Jedes zusätzliche Wort würde die Kraft dieses Satzes verderben.« Einmal sollte beispielsweise das betroffene Kind zu seinen Eltern sagen: »Vergesst mich auch!« In einem anderen Fall sollte eine Frau zu ihrem Vater sagen: »Bitte bleib.« Für Hellinger sind diese Sätze »[…] jenseits des Helfens. Sie bringen den Einzelnen in Berührung mit einer inneren Bewegung. Wir wissen aber nicht, wohin, wir wollen es auch nicht wissen. Er ist dann dieser Bewegung ganz überlassen. Wenn uns ein solcher Satz geschenkt wurde – er wird ja immer geschenkt –, sind wir sofort vom Klienten getrennt, ohne Sorge. Wir sind sofort frei.«


Kritische Stimmen

Diese Art des Aufstellens wirkt für viele noch esoterischer als die Aufstellungen mit Stellvertretern. Für manche Beobachter ist das geistige Familienstellen in seiner aktuellen Variante in gefährliche Nähe zum Channeling und zur Wahrsagerei geraten.


Quellen: 85, 86, 87

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