Freies Familienstellen/ Freies Stellen/ Freie systemische Aufstellungen



Das freie Familienstellen ist ein Ansatz, bei dem jeder Teilnehmer seine Aufstellung selbst leiten und erforschen kann und jederzeit frei entscheidet, wie sie ablaufen soll. Eine traditionelle Aufstellung ist dabei ebenso möglich wie eine Aufstellung, in der jeder zu jedem Zeitpunkt all seinen Impulsen folgt, ohne dass jemand, mit Ausnahme des Aufstellenden, Grenzen setzt. Das freie Stellen wurde 2003 von Olaf Jacobsen entwickelt. Die Merkmale einer freien systemischen Aufstellung sind:

  • Der Organisator oder Moderator ist derjenige, der die Veranstaltung organisiert und dafür sorgt, dass es von Anfang bis Ende »freies Aufstellen« bleibt. Teilnehmer, die – in einem vom Moderator zeitlich festgelegten Rahmen – aufstellen möchten, werden meistens durch Auslosen ermittelt. Sie haben die Wahl, verdeckt oder offen aufzustellen.

  • Der Ratsuchende (beim freien Stellen »Aufsteller « genannt) kann selbst der Leiter seiner eigenen Aufstellung sein, kann aber auch jemand anderen zum Leiter bestimmen. Der Aufsteller hat immer Vorrang, selbst vor dem Leiter seiner eigenen Aufstellung. Jacobsen betont die Freiheit des Aufstellers: Er ist frei, die Form und den Ablauf seiner eigenen Aufstellung selbst zu bestimmen, den Stellvertretern Grenzen zu setzen oder sie sich frei bewegen zu lassen. Er ist frei in der Entscheidung, ob er den Moderator, die Stellvertreter und die beobachtende Gruppe als Berater nutzt oder ob jemand aus der Gruppe zeitweise oder vollständig die Leitung der Aufstellung übernimmt.

  • Die Stellvertreter werden in der Regel nicht aufgestellt, sondern sie stellen sich einfach nur zur Verfügung und beginnen dann, sich nach ihren eigenen Gefühlen und Impulsen spontan zu bewegen. Oft beginnt eine freie Aufstellung verdeckt, sodass die Stellvertreter nicht wissen, wen oder was sie repräsentieren. Sie werden aufgefordert, möglichst frei allen kreativen Impulsen zu folgen, auszuprobieren, zu reden, ihre Erfahrungen zu machen und eventuell vorhandene Widerstände dem entsprechenden Leiter mitzuteilen. Sie sollten jederzeit eigenverantwortlich für sich selbst schauen, ob es sich noch stimmig anfühlt, weiterhin an der Aufstellung teilzunehmen und zur Verfügung zu stehen, oder sich daraus zurückziehen. Das Verlassen des Raums durch einen Teilnehmer kann für die momentan aufstellende Person eine wichtige Spiegelfunktion haben, durch die sie neue Erkenntnisse für einen lösenden Entwicklungsprozess gewinnen kann. Stellvertreter müssen allerdings auf alle Wünsche, Impulse und Grenzziehungen der aufstellenden leitenden Person Rücksicht nehmen. Sie sind ihr untergeordnet.

  • Die Beobachter, also die Gruppenteilnehmer, die nicht als Repräsentanten dienen, dürfen sich frei in die Aufstellung einmischen, sich nebenbei unterhalten, ihre Handys anlassen und notfalls telefonieren, zur Theke gehen und naschen, unruhig sein etc. Jeder handelt eigenverantwortlich. Dahinter stehen der Gedanke und die Erfahrung, dass jeder »zufällige « Impuls aus der Gruppe für das gerade aufgestellte Thema ein Spiegel sein könnte. Doch wenn diese Freiheit zu viel wird, kann der Organisator des freien Stellens Grenzen setzen, z. B. fordern, dass jemand, der schreien will, dies erst ankündigt, um die Gruppe nicht zu erschrecken. Der Ratsuchende kann auch selbst Grenzen für seine Aufstellung setzen, z. B. dass die Gruppe Ruhe halten sollte. Oft wird auch die Erfahrung gemacht, dass sich in den vielen unterschiedlichen Impulsen die entscheidenden Muster im Laufe der Zeit durch Wiederholungen oder Dringlichkeiten herauskristallisieren – und dann auch direkt reflektiert und erlöst werden können. Auch für die Gruppe gilt, auf alle Wünsche, Impulse und Grenzziehungen der aufstellenden leitenden Person Rücksicht zu nehmen. Sie sind – wie die Repräsentanten – der leitenden aufstellenden Person untergeordnet. Die aufstellende Person kann z. B. jederzeit einem scheinbaren Chaos in der Gruppe eine Grenze setzen und mitteilen, worauf sie sich gerade konzentrieren möchte. Alle anderen Impulse sollten dann bitte momentan unterdrückt werden. Das Motto des freien Aufstellens lautet: »Alles gehört dazu.« Jeder Einwand, jeder Einwurf, jede Reaktion und jedes Gefühl von allen teilnehmenden Personen, selbst Geschehnisse innerhalb und außerhalb des Gruppenraums können Hinweise auf die Lösung des Prozesses sein. Es passiert in der Gruppe immer genau das, was gerade »dran« ist. Selbstverantwortung steht dabei für alle Beteiligten an erster Stelle. Sie ist das tragende Element der freien systemischen Aufstellungen. Für Olaf Jacobsen ist daher das freie Aufstellen ein Weg, um Eigenverantwortlichkeit zu erlernen. Der Ratsuchende trägt die Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen und bekommt damit einen klareren Zugang zu seinem Selbstschutz und zu seinen Selbstheilungskräften. Bei den Freien Aufstellungen zeigt sich – laut erfahrenen Moderatoren – durch die Eigenverantwortung immer wieder, dass sie nur so intensiv sind, wie es für die aufstellende Person selbst stimmig ist. Lösungen zeigen sich nur insofern sie tragbar sind.

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