Frühere Partner / Expartner



Frühere Partner / Expartner in Familienaufstellungen nach Hellinger

Sobald eine Paarbeziehung vollzogen wird, entsteht eine nicht auflösbare Bindung. Dies gilt natürlich auch für die früheren Partner eines Paares. Frühere Verlobte, Ehe- oder Lebenspartner spielen deswegen in Familiensystemen oft eine wichtige Rolle: Sie haben Platz gemacht für einen Nachfolger. Ohne ihren freiwilligen oder unfreiwilligen Verzicht gäbe es das jetzige System nicht. Oft gäbe es die Kinder nicht. Dieser Beitrag gibt den früheren Partnern dasselbe Recht auf Zugehörigkeit wie den Mitgliedern der Familie, unabhängig davon, was sie getan haben. Deshalb haben frühere Partner Anspruch auf Achtung und Würdigung. Systemisch gesehen gehören frühere Partner zum Gegenwartssystem. Spätere Partner sind den früheren und den Kinder aus dieser Beziehung »nachgeordnet«. Dies entspricht der zeitlichen Reihenfolge und beinhaltet keine Wertung von »besser« oder »schlechter« (siehe auch »Rangordnung in der Familie«).


Konsequenzen im System

Beziehungsprobleme

Wer sich trennt, sollte dies mit Achtung vor dem früheren Partner tun. Wer seinen früheren Partner herabsetzt oder missachtet, schadet seiner neuen Beziehung (siehe dazu auch »Trennung«). Manchmal fühlt sich der neue Partner insgeheim zu einem gewissen Teil solidarisch mit seinem Geschlechtsgenossen, dem früheren Partner, und steuert die Beziehung darauf zu, dass sie genauso endet wie beim vorherigen Partner. Manchmal achtet er den früheren Partner nicht und fühlt sich als der »bessere« Partner. Wenn jemand nur der zweite ist, wäre er oft gern der erste gewesen. Dass dies nicht der Fall war, gehört zu seinem Leben, und es ist wichtig für ihn, dies zu sehen und anzuerkennen. Wer den Platz seines Vorgängers nicht achtet, schadet der neuen Beziehung. Wenn der neue Partner der Grund für die Trennung von dem früheren Partnern ist, fühlt sich dieser auf der seelischen Ebene oft

schuldig. Schließlich hat er seinen Partner und sein Glück auf Kosten seines Vorgängers gewonnen. Häufig büßen solche Partner für ihre Schuld, indem sie unbewusst das Scheitern

der Beziehung einleiten, z. B. durch unangemessene Eifersucht. Eifersucht ist oft

eine Form unbewusster Loyalität mit einer früheren Bindung des Partners.


Verstrickung eines Kindes mit dem früheren Partner

Frühere Beziehungen der Eltern gehen die Kinder nichts an. Werden aber die früheren

Partner aus dem System ausgegrenzt, verachtet oder verleugnet, kann dasselbe passieren wir bei einem ausgeklammerten Familienmitglied: Ein Kind gleichen Geschlechts erzeugt einen Ausgleich, indem es den früheren Partner mit all seinen Gefühlen und dem Unrecht, das ihm geschah, noch einmal im System vertritt. Dafür muss es den früheren Partner (bzw. die Halbgeschwister) weder kennen noch jemals von ihnen gehört haben. Es identifiziert sich mit der Person und übernimmt ihre Gefühle. Viele unerklärliche Gefühle wie Wut, Trauer oder gar Hass, aber auch die Angst, zurückgewiesen zu werden, haben hier ihren Ursprung.

Vertritt beispielsweise der Sohn einen früheren Partner der Mutter, sieht der Vater in ihm

unbewusst einen Rivalen. Das kann zu Spannungen in der Vater-Sohn-Beziehung führen.

Töchter andererseits, die mit einem früheren Partner der Mutter identifiziert sind, lehnen

oft ihren Vater ab (siehe dazu auch »Eltern-Kind-Bindung«).

Kinder, die ihr Leben auf Kosten von vielen Partnern und möglicherweise von Halbgeschwistern der Eltern erhalten, haben es schwer und versuchen oft, alle zu würdigen.

Sie fühlen sich häufig schuldig und scheitern im Berufsleben, in der Partnerschaft, oder sie

werden krank. Eine Erkrankung, die manchmal mit dem Ausschluss eines früheren Partners

in Verbindung steht, ist Neurodermitis. Bert Hellinger sagt dazu, dass ein Kind mit Neurodermitis oft den Segen einer früheren Partnerin des Vaters braucht.


Mögliches Aufstellungsbild

Insbesondere bei der ersten großen Liebe - auch wenn sie schon 20 oder 30 Jahre zurückliegt - strahlen sich die Stellvertreter oft an und zeigen, wie stark sie sich voneinander angezogen fühlen. Dann wird eine Bindung sichtbar, die dem Ratsuchenden in dieser Tiefe oft nicht bewusst war. Wenn ein Kind mit einem früheren Partner identifiziert ist, stellt es sich oft zwischen seine beiden Eltern. Häufig existiert eine große, unerklärliche Sympathie zwischen dem Kind und dem früheren Partner.


Lösungsansatz

Würdigung des früheren Partners

Die Bindung an den ersten Partner muss umfassend geachtet werden, und die neuen Partner müssen wissen, dass sie den alten Partnern »nachgeordnet« sind und bei ihnen in einer Art von Schuld stehen. Sie verdanken ihren jetzigen Partner dem Scheitern der früheren Beziehung. Eine systemische Ordnung ist nur dann gegeben, wenn der frühere Partner gewürdigt wird und seinen Platz im System zurückbekommt.

Das heißt, dass sich einerseits die beiden früheren Partner in Frieden trennen und andererseits, dass die höhere Rangfolge der früheren Partner von den späteren

anerkannt wird.


Lösung der Verstrickung eines Kindes mit einem früheren Partner:

Wenn ein Kind (das jetzt bereits ein Erwachsener sein kann) mit einem früheren Partner

eines Elternteils verstrickt ist, muss die Verstrickung gelöst werden (siehe dazu auch »Identifikation bzw. Identifizierung« und »Übernahme von fremden Gefühlen«).


Lösende Sätze

  • Für die Person, die einen früheren Partner hatte, und die ihn würdigen soll: »Ich achte dich als meinen früheren Partner.« Auf den neuen Partner zeigend: »Das ist mein neuer Partner, bitte schaue freundlich auf uns.«

  • Für den späteren Partner liegt der Schwerpunkt der lösenden Sätze auf der Betonung der Ordnung: »Du bist die/der erste, ich bin die/der zweite (Ehemann/Partner/…).« Und: »Du kamst vor mir. Ich komme nach dir. Ich achte dich und deinen Platz.«

  • Wenn der neue Partner der Grund für die Trennung war, kann er z. B. auch sagen: »Ich habe meinen Partner auf deine Kosten. Ich achte dich und lasse dir deinen Platz. Und jetzt nehme ich sie/ihn als meinen Partner.«

  • Für ein Kind, das mit dem früheren Parner verstrickt ist, z. B. für eine Tochter: »Mit der früheren Partnerin von Papa habe ich nichts zu tun.« Auf die frühere Partnerin zeigend: »Du bist nicht meine Mutter«; auf die Mutter zeigend: »Du bist meine Mutter. Du bist die einzig Richtige für mich. Bitte schaue freundlich auf mich, ich bin nur das Kind«, auf den Vater zeigend: »Lieber Papa, ich bin nur dein Kind.«

Lösungsbild und Entlassungsritual

In der Regel haben frühere Partner im offenen Kreis ihren Platz jeweils an der Seite ihres

ehemaligen Partners, wenn auch in deutlichem Abstand. Das zeigt, dass sie zwar nicht zur Paarbeziehung dazugehören, aber trotzdem einen wichtigen Anteil an ihr haben. Bei mehreren früheren Partnern steht der erste ganz außen, der nächste Partner folgt in einem angemessenen Abstand.

Frühere Partner in der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie

Franz Ruppert hat auch die Erfahrung gemacht, dass das älteste Kind eines Paares oft mit einem früheren Partner der Mutter oder des Vaters identifiziert ist. Das Thema frühere Partner und eine fortbestehende, nicht aufgelöste emotionale Bindung an diese Expartner ist in ehelichen Beziehungen in der Regel hoch tabuisiert. Der als schmerzlich und oft auch als traumatisch erlebte Verlust des früheren Partners – entweder wegen einer Trennung oder durch Tod – wird psychisch abgespalten (siehe dazu »(Spaltung in) Persönlichkeitsanteile«) und mit den damit verbundenen Gefühlen verdrängt. Das erste Kind repräsentiert dann diese alte Liebe, weil in dieser Bindung die größte Gefühlsintensität zu finden ist (siehe dazu »Identifikation bzw. Identifizierung«). Solche Kinder denken sich tief in die unerfüllten Sehnsüchte und Bedürfnisse ihres Vaters oder ihrer Mutter hinein und versuchen, ihn bzw. sie glücklich zu machen. Das Kind entwickelt eine große psychische Nähe zum identifizierenden Elternteil und eine zu große Distanz zum anderen. Das Kind kann nicht als Kind an seinem Platz sein. Daraus entstehen Muttersöhne oder Vatertöchter, die sich auch als Erwachsene seelisch kaum von ihrem jeweiligen »Partner«, das heißt ihrer Mutter oder ihrem Vater, lösen können. Das Kind, das psychisch zu sehr mit einem gegengeschlechtlichen Elternteil verwoben ist, kann weder richtig Kind noch Partner sein. Es ist in seiner Geschlechtlichkeit früh herausgefordert und muss sie zugleich leugnen. Der Junge entwickelt dadurch eher feminine, das Mädchen eher maskuline innere Haltungen. Die Chance, durch die Anlehnung an den gleichgeschlechtlichen Elternteil die eigene Geschlechtsrolle zu festigen, kann nicht genutzt werden. Siehe auch »Trennung«.

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