Familienunternehmen



Familienunternehmen in Organisationsaufstellungen

Familienunternehmen stellen eine besondere Art von System dar, denn es vermischen sich in

ihnen zwei getrennte Systeme: die Familie und die Organisation. Oft führt diese Vermischung zu Konflikten zwischen den beiden Rangordnungen: Die Familienmitglieder, die im Unternehmen arbeiten, verhalten sich genauso wie im Familiensystem und verstehen nicht oder nehmen nicht wahr, dass im Unternehmen eine andere Rangfolge herrscht, die respektiert werden muss.

Der Gründer nimmt im Unternehmen immer den ersten Platz ein, vergleichbar mit den Eltern

gegenüber ihren Kindern in einer Familie. Er ist der Erzeuger seines Unternehmens, und

es ist für ihn wie ein Kind. Deshalb kann ihm niemand diesen Platz streitig machen oder ihn

mit ihm teilen. Wenn z. B. der Vater des Unternehmers in dessen Unternehmen eine Aufgabe

übernimmt, bleibt er dem Gründer – also seinem Sohn – nachgeordnet, obwohl der Vater in

der Familie die erste Stelle einnimmt. Wenn der Unternehmer ein älteres Geschwister

am Unternehmen beteiligt und ihm eine führende Rolle zuweist, so ist ein Konflikt fast unvermeidlich. Als Gründer ist der Unternehmer diesem Geschwister vorgeordnet, andererseits in der Familie jedoch als jüngeres Kind nachgeordnet. Oft verhält sich der ältere Bruder oder die ältere Schwester im Unternehmen so, als ob er oder sie das höchste Mitglied in der Rangordnung wäre. Ein Konflikt dieser Art entsteht nicht, wenn der Unternehmer jüngere Geschwister am Unternehmen beteiligt. Nicht selten werden Ordnungen der Macht wie z. B. der Vorrang der Leistung und der Kompetenz oder der Vorrang des höheren Einsatzes für das Ganze bei Familienunternehmen verletzt, weil z. B. Familienmitglieder ihre Position im Unternehmen nur ihrer Familienzugehörigkeit und nicht ihrem Können und Engagement verdanken. Solche Verletzungen der Ordnungen färben oft negativ auf das ganze Unternehmen ab.


Paarbeziehung, Unternehmen und Einheirat

Wenn eine Frau ein eigenes Unternehmen gegründet hat oder wenn sie es von ihren Eltern

geerbt hat, sollte sie den ersten Platz auch vor ihrem Mann einnehmen, wenn dieser auch im

Unternehmen arbeitet. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass solche Konstellationen fast immer zum Scheitern verurteilt sind. Der Mann übernimmt im Unternehmen bald innerlich und äußerlich den ersten Platz, weil er dies aus seinem Familiensystem so gewohnt ist. Das gelingt ihm jedoch nicht. In Aufstellungen wird immer wieder deutlich, dass die Mitarbeiter des Unternehmens ihn an dieser Stelle nicht wollen. Letztlich wird er laut Hellinger das Unternehmen seiner Frau in den Ruin treiben. Daher sollte aus dessen Sicht der Ehemann nicht ins Unternehmen geholt werden.

Umgekehrt verhält es sich, wenn eine Frau mit in das Unternehmen ihres Mannes einsteigt. Sie ist es in der Regel von der Familienordnung gewohnt, die zweite Stelle einzunehmen und maßt sich nicht an, im Unternehmen den ersten Rang zu besetzen. Ihre Mitarbeit im Unternehmen wird oft als wohltuend empfunden.


Generationswechsel

Aus systemischer Sicht sollte ein Familienunternehmen demjenigen vererbt werden, der

die höchste Bereitschaft zeigt, mit dem Unternehmen der Allgemeinheit zu dienen. Ein Unternehmen sollte nicht unter den Erben aufgeteilt werden.

Falls jedoch der Fall eintritt, in dem mehrere Geschwister ein Unternehmen gemeinsam von

ihren Eltern übernehmen, gilt dabei die Rangfolge der Geschwisterreihe. Das erste Kind

– unabhängig davon, ob es ein Mann oder eine Frau ist – sollte die Führung übernehmen. Die anderen folgen ihm in der Reihenfolge der Geschwisterreihe. Eine zweite Rangfolge, die der Expertise und der Leistung (siehe dazu »Ordnungen der Macht«), muss allerdings ebenfalls beachtet werden. Bringt eines der Geschwister eine besondere Fähigkeit oder ein besonders Know-how ins Unternehmen mit, sollte es dementsprechend eine führende Rolle im Familienunternehmen einnehmen.

Oft ist es in Familienunternehmen so, dass die abgebende Generation nicht wirklich abgegeben und sich komplett zurückziehen möchte. Das wäre jedoch die beste Lösung, denn eine Einmischung erschwert dem Nachfolger oft den Einstieg, weil er seinen eigenen Platz noch nicht eingenommen oder gefunden hat. Die Mitarbeiter geraten dann zwangsläufig in einen Loyalitätskonflikt zwischen dem offiziellen Führer des

Unternehmens (dem Nachfolger) und demjenigen, der die älteren Rechte hat. Wenn der Gründer sich tatsächlich zurückgezogen hat, sollte die nachfolgende Generation die Führung »von hinten« übernehmen, indem sie anerkennt, was vorher war und nicht zu schnell alles ändert (siehe dazu »Macht und Führung«).


Lösungsansatz

Ein Konflikt zwischen den Familien- und Unternehmenssystemen wird vermieden, wenn

die unterschiedlichen Rangfolgen im einen wie im anderen System anerkannt und beachtet

werden. Es bedarf in einer Aufstellung der Bewusstmachung der Überschneidung der zwei

Rangfolgen.


Siehe dazu auch »Unternehmen« bzw. »Organisation«.

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