Drogenabhängigkeit



Allgemein


»Sucht« gilt als veraltet) wird die psychische oder körperliche Abhängigkeit von legalen und illegalen Drogen bezeichnet. Es handelt sich immer um Substanzen, die einen Rauschzustand oder Halluzinationen erzeugen, aufputschend wirken und/oder den Konsumenten in eine euphorische Stimmung versetzen. Auch der übermäßige Genuss von Nikotin und Alkohol wird mit dem Begriff »Drogenmissbrauch« bezeichnet. Im engeren Sinn ist damit jedoch fast ausschließlich der Konsum von illegalen Rauschgiften gemeint wie Opiaten (Opium, Morphium, Heroin), euphorisierenden Substanzen wie Kokain, Desig-

nerdrogen (Ectasy, Speed) und Halluzinogenen wie Cannabis (Haschisch, Marihuana), Meskalin oder LSD.

Lässt die Konzentration der Droge im Körper nach, kommt es bei Abhängigen zu depressiven, mitunter auch aggressiven Verstimmungen und auch zu körperlichen Entzugserscheinungen. Um aus dieser unangenehmen Phase wieder herauszukommen, nimmt der Betroffene die Droge erneut ein. Eine Drogenabhängigkeit führt dazu, dass die Dosis stetig erhöht werden muss, um die angestrebte Wirkung zu erreichen. Einige Drogen – Opiate, Nikotin, Alkohol – führen zu einer körperlichen Abhängigkeit, aber auch wenn dies nicht der Fall ist, besteht die Gefahr einer Suchterkrankung, die mit weiteren psychischen Störungen einhergeht – besonders bei labilen Persönlichkeiten. Einen risikofreien Drogenmissbrauch gibt es auch für gefestigte Personen nicht.

Drogenabhängige vernachlässigen häufig alles andere: Angehörige, sich selbst, Schule, Beruf. Nicht nur als Drogendealer, sondern auch als Drogenkonsument macht man sich in vielen Fällen strafbar. Reichen die verfügbaren finanziellen Mittel nicht mehr für den Nachschub aus, verschaffen Drogenabhängige sich das erforderliche Geld mitunter durch Straftaten, durch die sogenannte Beschaffungskriminalität. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 167 000 und 198 000 Menschen in Deutschland illegale Drogen problematisch konsumieren. Es gibt jedes Jahr circa 1 300 Drogentote in Deutschland.


Drogenabhängigkeit in Familienaufstellungen nach Hellinger

Lebensgefährliche Sucht, wie beispielsweise bei Konsumenten von harten Drogen, stellt manchmal einen verdeckten Selbstmordversuch dar. Oft unterliegt der Drogenabhängige der Dyna­mik »Ich folge dir nach« oder »Lieber ich als du« Der Konsum harter Drogen stellt aus Sicht Bert Hellingers häufig ein »Sterbenwollen« anstelle des Vaters oder der Mutter dar.

Hinter dem Bedürfnis nach Ausgleich wirkt eine magische Vorstellung, dass jemand einen

anderen von seinem schweren Schicksal erlösen kann, wenn auch er etwas Schweres auf sich

nimmt. Hier wirkt eine tiefe Liebe. So sagt beispielsweise ein Kind zu seiner schwerkranken

Mutter: »Lieber werde ich krank als du. Lieber sterbe ich als du.« Oder das Kind wird süchtig,

wenn die Mutter aus dem Leben gehen will, nur damit die Mutter bleiben kann. In vielen Fällen verbirgt sich auch ein Toter im Familiensystem, nach dem sich das Familienmitglied sehnt.


Mögliches Aufstellungsbild

Oft geht es beiden, sowohl dem Stellvertreter des Drogenabhängigen als auch dem Vater/

der Mutter, nicht gut. Der Vater hat z. B. ein Geschwister früh verloren und will zu diesem

hingehen (siehe »Nachfolge«). Das drogenabhängige Kind möchte dann die Stelle des Vaters einnehmen.


Lösungsansatz

Die Dynamik des Elternteils sollte aufgeklärt und gelöst werden. Gibt es etwas, wohin der

Elternteil aus der Familie tendiert? Sobald der Tote seinen Platz in der Familie wieder einge-

nommen hat, können der Elternteil und auch der Drogenabhängige bleiben.

Wenn diese Dynamik ans Licht kommt, zeigt man dem Kind, dass sein Leiden dem anderen

nicht hilft. Dann muss es auf die Machtvorstellung, die es mit seinem Leiden oder Sterben

verbindet, verzichten. Wenn der Elternteil trotzdem gehen will, gibt es nur eine Person, die das Kind wirklich halten kann, und zwar der andere Elternteil.


Lösende Sätze

  • Für die Dynamik des Vaters, z. B. beim Verlust eines Geschwisters (siehe dazu auch »Nachfolge«): »Ja, du bist meine Schwester. Zum ersten Mal sehe ich dich.« Oder: »Ich gebe dir die Ehre. Bitte schaue freundlich auf mich, wenn ich bleibe.«

  • Für das drogenabhängige Kind: »Lieber verschwinde ich als du« (erkennen, was ist), oder: »Der Papa bleibt, ich darf auch bleiben!«

  • Wenn der Vater trotzdem nicht bleiben will: »Lieber Papa, was immer du tust, ich bleibe. Ich habe das Leben von dir bekommen, und ich nehme es und achte es», und »Mama, ich bleibe bei dir.«


Lösungsbild und Entlassungsritual

Das drogenabhängige Kind geht an seinen Platz in der Familie und will nicht mehr gehen.


Drogenabhängigkeit in der Mehrgenerationalen Psychotraumatologie


Siehe »Sucht«.

27 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Zwangsstörungen