Bewegung der Seele



Bewegung der Seele bei Familienaufstellungen nach Hellinger

Während die Aufstellungen früher überwiegend statisch abliefen, das heißt, die aufgestell-

ten Stellvertreter blieben stehen, wurden vom Aufstellungsleiter nach ihrem Empfinden, ihren Wahrnehmungen und Gefühlen befragt und dann gegebenenfalls an eine andere Stelle geführt, bis ein Platz gefunden war, an dem sich alle wohlfühlten, lassen heute viele Aufsteller die Stellvertreter sich mehr oder weniger frei bewegen (daher wird auch von »bewegtem« und »statischem« Familienstellen gesprochen). Man achtet lediglich darauf, dass es sich um Bewegungen handelt, die nicht aus der Vorstellung der Stellvertreter resultieren, sondern dass diese quasi aus einem inneren Zwang heraus erfolgen. Die Impulse, die die Stellvertreter erhalten, werden von Bert Hellinger als »Bewegungen der Seele« umschrieben. Bei solchen Aufstellungen wird nur noch sehr wenig bis gar nicht gesprochen. Auch die Lö­sungssätze entfallen manchmal. Die Arbeit mit den Bewegungen der Seele erlaubt im Vergleich zum klassischen Familienstellen einen wesentlich größeren Spielraum für den Ausdruck der Stellvertreter. Der Aufstellungsleiter hält sich so weit wie möglich zurück. Er gibt weder Sätze vor noch verändert er die Positionen der Stellvertreter.

Stattdessen lässt er ihnen Zeit, damit die Wahrnehmungen wirken und die Bewegungen sich

entwickeln können. Die Stellvertreter haben somit eine andere Funktion als früher: Sie geben

keine expliziten Informationen mehr über das ab, was sie an einem bestimmten Platz oder in Bezug auf eine andere Person oder in ihrem Innern spüren, fühlen oder wahrnehmen. Implizit drücken sie dies noch durch ihre Bewegungen aus, wobei sie selbst diese Bewegungen und das, was sie dabei empfinden, nicht mehr erläutern oder be-schreiben. Es findet meist keine Kommunikation zwischen ihnen und dem Aufstellungsleiter statt.


Dies soll allerdings keineswegs heißen, dass der Aufstellungsleiter nicht eingreift. Er tut dies

manchmal, z. B. indem er jemanden auffordert, sich hinzulegen, oder indem er die Bewegung eines Stellvertreters stoppt, ihn umdreht oder an eine andere Stelle führt. Der Unterschied zu klassischen Familienaufstellungen liegt darin, dass diese Eingriffe sich nicht mehr an verbalen Äußerungen der Stellvertreter orientieren, sondern mehr und mehr an den inneren Bildern des Aufstellungsleiters. Das, was früher als Aufstellung nach außen sichtbar war, läuft bei Bewegung der Seele-Aufstellungen zu weiten Teilen vor dem geistigen Auge des Aufstellungsleiters ab.


Voraussetzungen und Anwendungsbereiche

Es gibt mehrere Voraussetzungen für eine Bewegung der Seele-Aufstellung: Der Aufstellungsleiter muss den »Raum« dafür schaffen, und die Stellvertreter müssen schon Erfahrungen mit Familienaufstellungen haben.Bewegungen der Seele-Aufstellungen lassen sich vor allem gut anwenden, wenn es um die Dynamiken zwischen nur zwei oder drei Personen geht. Dann können sich die Impulse klar und deutlich entfalten. Für den Ratsuchenden ist das Wesentliche sichtbar und spürbar. Wenn es um ein Gesamtbild der Familie geht, sind solche Aufstellungen oft nicht angemessen. Je stärker und verwickelter systemische Verstrickungen sind, desto mehr ist man zur Entflechtung auf Stellvertreter und auf deren Mitteilungen ihrer Empfindungen angewiesen.


Historie

Der Begriff »Bewegungen der Seele« wurde in der Arbeit von Hellinger erstmals 1998 bei verschiedenen Kursen in Nordamerika eingeführt. Bert Hellinger stellte die Bewegungen der Seele erstmals im Sommer 2000 bei einem Kurs in Berlin als neue Aufstellungsmethode vor und lud Anfang 2001 alle registrierten Aufsteller zu einem Schulungskurs in dieser neuen Methode ein. Er wandte diese Methode bis ungefähr ins Jahr 2006 an.


In der Entwicklung der Aufstellungsarbeit »nach Hellinger« stellen die Bewegungen der Seele einen Zwischenschritt zu dem geistigen Famili­enstellen dar. Diese Arbeitsweise hatte jedoch nicht die Bedeutung, die Bert Hellinger zunächst vermutet hatte, und er verwendet diesen Begriff und die zugehörige Methode nicht mehr.


Kritische Stimmen

Die Frage nach der Nachvollziehbarkeit einer Aufstellung wird bei den Bewegungen der Seele oft gestellt. Nicht alle Aufsteller teilen die Auffassung, dass Bilder im Unbewussten – auch wenn wir sie nicht verstehen – eine mächtige Wirkung entfalten können. Manche meinen, dass es für den Ratsuchenden bei einer Aufstellung wenigstens Anknüpfungspunkte an etwas Bekanntes geben müsse, weil die Aufstellung für diesen sonst völlig äußerlich bliebe und nicht die erwünschte Wirkung erreiche. Deswegen versuchen diese Aufsteller, den Ratsuchenden immer mitzunehmen und darauf zu achten, dass er die Bewegungen zumindest in den Grundzügen nachvollziehen kann.

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die mangelnde Transparenz für alle Teilnehmer. Wenn der

Leiter fast nur noch seinen eigenen geistigen Bildern folgt und diese nicht mehr durch Rück-

meldungen der Stellvertreter oder konkrete Erläuterungen nachvollziehbar macht, erscheint

das Aufstellen wie ein magisches Ritual, bei dem der Zuschauer oder die Kursteilnehmer

nur noch staunend dem Magier folgen, aber nichts mehr verstehen.

Quellen: 31

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