Anordnungsprinzipien



Allgemein

Bei vielen Aufstellungen werden Stellvertreter vom Ratsuchenden auf bestimmte Positionen

gebracht, oder sie bewegen sich von selbst auf diese Positionen, weil sie sich dort am besten fühlen. Daraus wurden Anordnungsprinzipien abgeleitet, die aus zahlreichen Erfahrungen, Beobachtungen und Experimenten resultieren. Wenn diese vom Aufstellungsleiter benutzt werden, so sind sie nur Vorschläge und verstehen sich keinesfalls als »objektive Wahrheiten« oder »endgültige Lösungen«. Sie sind lediglich starke Tendenzen, die nützlich und hilfreich sein können. Die Anordnungsprinzipien wurden von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd für die Entwicklung der Strukturaufstellungen ge-

nutzt und strukturiert.



Bedeutung der räumlichen Anordnungen





Eine direkte Gegenüberstellung wird selbst bei relativ großen Abständen (bis zu drei Metern) noch als Konfrontation erlebt. Anordnung der Stellvertreter in Winkeln:

  • 180° (nebeneinander):

  • In gleiche Richtung blickend: maximale Unabhängigkeit und Gleichwertigkeit von Personen der gleichen Generation oder der gleichen Hierarchieebene. Die Emp-findung von Zugehörigkeit zueinander kann leicht durch vorübergehenden Blickkontakt verstärkt werden. Eine (Fast-)Berührung (Abstand unter fünf Zentimetern) bewirkt in der Regel eine Aufhebung des Unabhängigkeitserlebens. Dieses Bild weist auf eine systemische Störung hin, wenn die zwei Personen verschiedenen Generationen oder Hierarchieebenen angehören. Möglicherweise wird dann z. B. das Kind als Partnerer­satz benutzt.

  • In entgegengesetzte Richtungen blickend: Hier sind die Repräsentanten hochgradig ambivalent zueinander – zugleich nah und kontrovers.

  • 120°–160° (leichter Halbkreis): Ein hoher Außenweltbezug und ein zugleich deutlicher Bezug zueinander sind möglich. So stehen in Familienaufstellungen die Eltern häufig den Kindern gegenüber. Ein solches Bild erlaubt das Erleben der Paarbeziehung sowie der El­tern­-Kind-­Beziehung.

  • 90°–120° (Halbkreis): Der Außenweltbezug wird auf ein engeres Feld eingeschränkt. Hier beziehen sich zwei Menschen aufeinander, verlieren aber nicht ihr Umfeld aus den Augen. Kontaktaufnahme untereinander und eine offene Kommunikation nach außen sind so ohne Weiteres gleichzeitig möglich.

  • 45°–90° (sehr enger Halbkreis): beginnender Außenweltausschluss; die Repräsentanten erleben sich im Wesentlichen als nur aufeinander bezogen, und die Außenwelt verliert an Bedeutung. Ein frisch verliebtes Paar wird oft so dargestellt oder auch sehr eng zusammenarbeitende Mitarbeiter. Eine solche Stellung kann langfristig ungünstig sein.

  • Unter 45°: kündigt oft eine beginnende Auseinandersetzung an.

Übergeordnete Anordnungsprinzipien


  • Sichtbarkeit: Meistens ändert sich schon einiges zum Guten, wenn das Aufstellungsbild so umgestellt wird, dass alle einander sehen können. Dies sollte in jedem Fall bei ausgeschlos­senen Systemmitgliedern gemacht werden und in Organisationsaufstellungen in Bezug auf die Aufgaben oder das Ziel der Organisation.

  • Zeitliche Reihenfolge: Die zeitliche Reihenfolge des Auftretens der Mitglieder spielt sowohl in Familien als auch in Unternehmen eine Rolle. Dort, wo sie nicht beachtet wird, kann ein System seinen guten Zusammenhalt verlieren. Wenn klar ist, dass jene, die früher da waren, auch dafür gewürdigt werden, erhöht das die Chancen für ein störungsfreies Familienleben oder für eine starke Loyalität zum Unternehmen. In Familien werden die Mitglieder in der Regel nach ihrer zeitlichen Reihenfolge von rechts nach links aufgestellt. Nach den Eltern beginnt links mit dem ältesten Kind die Geschwisterreihe. Die jüngeren Geschwister stehen jeweils links von den älteren Geschwistern (siehe für komplexere Familienbilder »Paarbindung«, »Eltern-Kind-Bindung« und »Patchworkfamilien«). In Unternehmen ist es komplexer, weil neben dem Dienstalter auch die Hierarchie, die Leistung oder die Expertise eine Rolle spielen (siehe dazu »Ordnungen der Macht«).

  • Die Ausrichtung des Systems: Systeme, die ein Ziel oder eine Aufgabe haben, richten sich immer auf die Zukunft aus. Es gibt daher immer eine Zeitlinie, die beachtet werden muss.

  • Hierarchie: Wenn es eine offizielle Hierarchieebene gibt, ist es meistens günstig, wenn diese sichtbar gemacht wird.

Anordnungsprinzipien in Familienaufstellungen nach Hellinger

  • Mann und Frau einander gegenüber: konfrontativ; häufig besteht Klärungsbedarf. Diese Position deutet fast immer auf einen Abbruch der sexuellen Beziehung und auf eine innerlich bereits vollzogene Trennung hin.

  • Eltern und Kind einander gegenüber: Diese Stellung steht bei einer Generationentrennung oft für Inzestschutz.

  • Kind zwischen den Eltern: Entweder wird das Kind als Vermittler oder als »Pufferzone« bei einem Konflikt der Eltern benutzt (siehe dazu »Triangulierung«), oder es steht als Partner­ersatz für einen Elternteil. Dies ist oft der Fall bei einer Verstrickung mit einem früheren Part­ner des Elternteils.

  • Geschwister in einer unpassenden Reihenfolge: Ein Kind maßt sich an, einen höheren Rang zu übernehmen (siehe dazu »Anmaßung«).

  • Familienmitglied und Systemelement dahinter: Dies sind meistens die Ahnen, die die Nachkommen stützen oder belasten. Es können auch belastende Ereignisse aus der Vergangenheit sein, wie z. B. Krieg oder Vertreibung aus der Heimat.

Anordnungsprinzipien bei Organisationsaufstellungen

  • Führungskraft rechts vom Mitarbeiter: häufige Anordnung bei funktionierender Zusam-menarbeit; die Führungskraft rechts trägt die Verantwortung.

  • Führungskraft links vom Mitarbeiter: Das ist meistens ein guter Platz, wenn die Führungskraft neu ins Unternehmen gekommen ist und sich gerade einarbeitet. Bleibt sie dort, hat sie ihre Führungsposition nicht übernommen. Es kann sich auch um den angemaßten Vorrang eines Mitarbeiters handeln. Dies kann z. B. jemand sein, der bei der Beförderung übergangen wurde und immer noch um diesen Platz kämpft, oder jemand, der sich selbst überschätzt oder heimlich die Führungsrolle seiner Vorgesetzten übernommen hat.

  • Führungskraft den Mitarbeitern gegenüber: Je nachdem, wie die Stellvertreter sich fühlen, kann die Darstellung der Hierarchieebene u. a. Würdigung, Klärung, Konfrontation bzw. Tendenzen wegzugehen, bedeuten.

  • Führungskraft (oder Gründer) hinter den Mitarbeitern: passende Anordnung, wenn es im Bild eine Ausrichtung auf die Aufgabe oder die Kunden gibt; in dieser Hierarchie stützt eine Ebene die nächste und »hält ihr den Rücken frei«. Eine solche Stellung kann auch als Bedrohung oder Kontrolle empfunden werden.

  • Gleichrangige Mitarbeiter einander gegenüber: Häufig Konfrontation oder Verabschiedung, weil einer dem anderen seine Arbeit übergibt.

Quellen: 21

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