Anerkennung, Würdigung & Achtung




Anerkennung, Würdigung & Achtung in Familienaufstellungen nach Hellinger


Zu den Leitprinzipien des Familienstellens nach Hellinger gehören die Anerkennung und die Würdigung. Damit sind nicht unbedingt feste Handlungen gemeint. Lösungen für das Anliegen des Ratsuchenden ergeben sich meistens durch eine Änderung der inneren Haltung.


Anerkennung von dem, was ist

Der Mensch neigt häufig dazu, Gegebenheiten zu beschönigen oder zu verleugnen. Besonders wenn es sich um schlimme und schmerzhafte Angelegenheiten handelt, erfordert es viel Kraft und Mut, die Realität beim Namen zu nennen. Eine unerlässliche Intervention des Aufstellungsleiters ist das Ansprechen von Realitäten im Aufstellungsprozess. Realität wird mit der Forderung erreicht, Dinge direkt zu benennen. In einer Familienaufstellung kann z. B. ein Kind, das mit einem früheren Partner der Mutter identifiziert ist, sagen: »Du bist meine Mutter, ich bin nur das Kind.« Damit wird auf der einen Seite die Realität anerkannt, so, wie sie ist. Und auf der anderen Seite wird der Platz des Kindes nochmals bestätigt. Eine andere Möglichkeit des Anerkennens der Realität besteht darin, diese auszusprechen, z. B. indem der Täter zum Opfer sagt: »Ich habe dich vergewaltigt«, oder die Frau zu ihrem Exmann sagt: »Ich liebe dich immer noch« usw. Zur Anerkennung der Realität gehört auch die Anerkennung der eigenen Schuld und des Unrechts und der eigenen Verantwortung,

etwa bei einer Trennung. In einer Organisationsaufstellung kann z. B. ein Mitarbeiter

dem Vorgesetzten sagen: »Sie sind mein Vorgesetzter.« Dies kann eine Doppelbelichtung

lösen.

Neben der Anerkennung der Realität gehört zur Lösung auch häufig die Anerkennung der

systemischen Ordnungen. Zum Grundlegenden zählt dabei die Anerkennung von Zugehörigkeit und von der Rangordnung der »Zeit-Hierarchie« (Vorrang des Früheren vor dem Späteren). In einer Familie kann dies bedeuten, dass der jetzige Partner einer Frau zu ihrem Exmann sagt: »Du bist der Erste, ich bin der Zweite.« Erkennt in einem Unternehmen ein Mitarbeiter seinen Chef nicht als Chef an, weil er sich selbst für fähiger hält, befindet er sich im systemischen Abseits und muss die Position des Chefs anerkennen und seinem Chef beispielsweise sagen: »Sie sind hier der Chef. Auch wenn ich nicht immer Ihrer Meinung bin, erkenne ich das an.«

Bei einer Aufstellung geht es daher oft um die reine, ungeschminkte Wahrheitsfindung, die zur Klärung, zur Anerkennung und zur Benennung die tatsächliche Beschreibung dieser Realität benötigt. Bert Hellinger spricht vom Anerkennen vom dem, was ist. Nur wenn die Wirklichkeit nicht geleugnet wird, kann der Ratsuchende handlungsfähig werden. Mit diesen notwendigen Impulsen werden dann Lösungen wesentlich besser greifbar.


Würdigung bzw. Achtung von Personen, Beiträgen und Schicksalen

Würdigen oder Achten geht weit über Anerkennen hinaus. Es ist eine Anerkennung kombiniert mit einer inneren Haltung des Dankes oder des Respekts. Bert Hellinger nennt häufig folgenden »Zaubersatz« zur Würdigung eines Elternteils: »Ich gebe dir die Ehre.«

»Achten« beinhaltet tiefere Akzeptanz des anderen. Jemanden achten heißt, anerkennen, dass er da ist, dass er so ist, wie er ist, und dass er, wie er ist, auch richtig ist. Wenn jemand sich selbst und den anderen so achtet, verzichtet er darauf, sich ein Bild zu machen, wie er und der andere sein sollten. Ohne dieses Bild gibt es kein Urteil mehr darüber, was besser ist. Insbesondere bei einem nicht ausgleichbaren Verhältnis von Geben und Nehmen, z. B. zwischen Eltern und Kind oder zwischen älteren und jüngeren Geschwistern, besteht das Einzige, was man tun kann, darin, das Geben zu würdigen. Dies ist vor allem ein innerer Vorgang, und der Ratsuchende kann es im Sinne von Folgendem ausdrücken: »Ich weiß, was du mir gegeben hast, ich achte es, und es begleitet mich.« Das ist das Höchste, was er tun kann. Das ist in jedem Fall viel mehr, als wenn er versucht, das Verhältnis durch Geben auszugleichen. In Organisationen kann die Würdigung von Personen konkret durch ein Abschiedsfest für einen Mitarbeiter, durch das Aufhängen von Bildern der Gründungsmitglieder oder durch ein paar ehrlich gemeinte Worte des Dankes geschehen.

Nicht nur Personen müssen gewürdigt werden, um die systemische Ordnung wiederherzustellen, sondern auch das, was sie gemacht haben und

ihre Schicksale. Die Würdigung vorangegangener Schicksale wird bei Aufstellungen meist als spürbare Entlastung erlebt. Verstorbene, Verlorene oder Ausgeschlossene zu würdigen und wieder in die Herzen zu schließen, ist ein Kernelement des Familienstellens nach Hellinger. Dazu gehört auch die Würdigung des Beitrags einer Person und ihrer Funktion. In einer Familie hat z. B. der Vater oft eine schützende und ernährende Funktion, die gewürdigt werden sollte. In Organisationen kommt neben der Anerkennung des Ranges eines Chefs oder eines Unternehmers auch die Würdigung von dessen existenzsichernder Funktion für das Gesamtsystem hinzu.

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