Abbruch einer Aufstellung



Abbruch einer Aufstellung bei Familienaufstellungen nach Hellinger

Der Abbruch einer Aufstellung kommt gar nicht so selten vor. Es gibt dafür mehrere mögliche Gründe:

  • Fehlende Informationen: Es fehlen Informationen über einschneidende Systemereignisse. Früher war dies fast immer der Grund für einen Abbruch, z. B. weil man nicht wusste, welches tote Systemmitglied am Boden lag. Heute wird oft auch ohne diese Informationen weiter aufgestellt, weil die Praxis gezeigt hat, dass sie nicht zwingend notwendig sind, um positive Bewegungen bei dem Ratsuchenden in Gang zu setzen. Manchmal ist es trotzdem nicht möglich, weiterzumachen, z. B. wenn die Aufstellung zwar zeigt, wo das Problem liegt, aber die Art des Problems oder die Person nicht ausreichend bekannt ist, um weitere Lösungsschritte einzuleiten. Erst wenn das Informationsdefizit beseitigt ist, kann eine erneute Aufstellung die Lösung bringen.

  • Der Ratsuchende ist nicht bereit: Ein weiterer Grund für einen Abbruch ist, dass der Ratsuchende zum Zeitpunkt der Aufstellung noch nicht in der Lage ist, einen notwendigen Schritt innerlich nachzuvollziehen, wenn jemand z. B. eine Schuld nicht anerkennt oder eine Verneigung vor einem Elternteil verweigert. In diesen Fällen zeigt zwar die Aufstellung die Lösung, aber sie kann nicht vollgezogen werden. Dieser Widerstand ist aber oft nur oberflächlich. In die Tiefe liegt immer die Loyalität des Ratsuchenden zu einem Systemmitglied oder zu einem Geheimnis, das die Familie schützen will. Manchmal sind die Zeichen für eine mangelnde Bereitschaft, mit einer Lösung umzugehen, früh erkennbar: wenn der Ratsuchende z. B. beim Aufstellen nur noch passiv teilnimmt, nicht gesammelt erscheint oder nicht ernsthaft ist (siehe dazu auch »Ratsuchender«).

  • Nicht das »richtige« Thema: Aufstellungen werden auch durch den Leiter abgebrochen, wenn sich keine Kraft zeigt. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass der Ratsuchende nicht sein »echtes« Thema aufgestellt hat.

Das Unterbrechen ist in allen Fällen als eine In­tervention des Aufstellungsleiters zu sehen. Es hat oft eine starke Wirkung, meist kommt ein intensiver Prozess in Gang, sodass vielleicht noch im gleichen Seminar eine Lösung möglich ist.


Auswirkung des Abbruchs einer Aufstellung

Ein Abbruch bedeutet nicht, dass die Aufstellung wirkungslos war. Sehr oft geben auch abgebrochene Aufstellungen wichtige Anstöße und führen sogar zu guten Lösungen. Eine abgebrochene Aufstellung ist häufig ein Auslöser für eine weitergehende innere Entwicklung.


Aufstellungstechnik

Ein Veränderungswiderstand des Ratsuchenden ist bei der Arbeit mit Aufstellungen ein zentraler Punkt, und es stellt sich die Frage, wie Aufsteller damit umgehen. Um die Dynamik und die möglichen Konsequenzen zuzuspitzen, ist es manchmal nützlich, auf die Gegenseite zu gehen, das heißt, die Nicht-Veränderung zu betonen, z. B. durch Sätze wie: »Lieber verzichte ich auf mein Glück, als dass ich auf meinen früheren Mann achte«, oder: »Lieber werde ich krank, als mich vor meinem Vater zu verneigen.«


Wann sollte nicht aufgestellt werden?

Es gibt Situationen, in denen eine Aufstellung nicht empfehlenswert ist, beispielsweise wenn…

  • der Ratsuchende innerlich noch nicht bereit ist, sein Anliegen für sich zu formulieren,

  • der Ratsuchende den für eine Aufstellung erforderlichen Ernst vermissen lässt,

  • der Ratsuchenden die Aufstellung als Vorwand nutzt, auch weiterhin unverändert so zu agieren wie bisher

  • der Ratsuchende die Aufstellung zum Zwecke von Manipulation nutzen will,

  • sich der Ratsuchende in einem Trauerprozess befindet (z. B. Verlust des Partners),

  • der Ratsuchende schwere Schuld auf sich geladen hat (z. B. Inzest).

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