Übernahme von Zuständigkeiten und fremden Aufträgen (»Ich tue es für dich«)



Kinder übernehmen nicht nur Gefühle, sondern auch Zuständigkeiten und Aufträge von den Eltern oder auch von den Großeltern.


Zuständigkeiten

Aufsteller verwenden den Begriff »Zuständigkeit« oft, um objektive Aufgaben, wie sie z. B.

mit dem Platz in der familiären Rangfolge, einer Rolle oder einer beruflichen Position verbunden sind, zu beschreiben. Werden z. B. bestimmte Zuständigkeiten von den Eltern, aus welchen Gründen auch immer, nicht wahrgenommen, gibt es einen freien »Job« in der Familie, den dann fast immer ein Kind übernimmt. Es springt ein, übernimmt die freie Position und fühlt sich dafür verantwortlich. Kinder können sich für alles das Familiensystem Betreffende verantwortlich fühlen oder auch nur einen Teil der Zuständigkeiten ihrer Eltern übernehmen, dennoch sind und bleiben sie Kinder, die mit den Zuständigkeiten

von Erwachsenen überfordert sind (siehe dazu »Parentifizierung« und »Partnerersatz«).


Aufträge

Ausgesprochene oder unausgesprochene Aufträge der Eltern oder der Großeltern wirken auf das Kind und werden von diesem in der Regel unbewusst aber gewissenhaft erfüllt.

Die meist unausgesprochenen Aufträge sind »Lebensaufträge«. Mit diesen erhalten die

Kinder die Order, erfolgreich zu werden oder zu verwirklichen, was die Eltern selbst nicht

geschafft haben, oder sie werden unterschwellig gewarnt, die Eltern nur bloß nicht zu überflügeln. Solange die Aufträge den persönlichen Neigungen nicht völlig widersprechen, können sie sogar eine positive Wirkung entfalten, denn sie treiben auch dazu an, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Schlimm ist es allerdings, wenn z.B. ein (erwachsenes) Kind eigene Lebenspläne hat, die Eltern jedoch von ihm erwarten, dass es in ihre Fußstapfen tritt, indem es beispielweise ihren Betrieb oder ihre Praxis übernimmt. Das Kind soll in diesem Fall Aufgaben oder Pflichten übernehmen, die mit seinen eigenen Wünschen

und Zielen nicht im Einklang stehen. Die meisten ausgesprochenen Aufträge drängen

Kinder in Erwachsenenrollen hinein und verhindern damit, dass sie ihre Plätze als Kinder

einnehmen können: Z. B ziehen Eltern ihren Nachwuchs mit in ihre Paarkonflikte hinein

(siehe »Triangulierung«), oder sie delegieren Aufgaben an ihre Kinder, die diese nicht erfüllen können. Manche Kinder werden für die Familie dienstverpflichtet und erhalten z. B. Aufträge wie »Kümmere dich um mich, um deine Geschwister, um deine Mutter usw.« Manchmal entstehen aus bestimmten Dynamiken heraus Aufträge, z. B. wenn eine Mutter ihrem Sohn das Versprechen abnimmt, keine Verbindung zu seinem Vater aufzunehmen. Ein solches Versprechen ist dann wie ein Auftrag.


Konsequenzen im System

Solche Dynamiken schwächen beide Seiten: die Kinder, weil sie mit etwas belastet werden,

für das sie nicht zuständig sein können, und die Eltern, weil sie an Autorität verlieren. Im

schlimmsten Fall übernehmen die Kinder Aufgaben, Aufträge oder Verantwortungen, die sie

unmöglich erfüllen können. Aus der Herkunftsfamilie übernommene Aufträge belasten auch

fast immer die Partnerschaft.


Lösungsansatz: Abgrenzung

Die Dynamik kann unterbrochen werden, indem sich die betroffene Person abgrenzt. Die

Abgrenzung kann sowohl von Erwachsenen gegenüber Kindern, als auch von Kindern gegenüber Erwachsenen stattfinden. Wer sich abgrenzt, entlastet sich selbst und traut dem anderen gleichzeitig wieder die notwendige Kraft zu, sein Schicksal selbst zu tragen.


Lösende Sätze

  • Die Eltern zum Kind: »Ich bin dein Vater, und du bist mein Kind. Wenn ich dich mit meinen Aufgaben/Pflichten/Verantwortungen belastet habe, dann tut mir das leid. Es war nicht richtig. Ich nehme das wieder in meine Zuständigkeit zurück, und du bist frei.« Oder: »Ich bin dafür zuständig, nicht du. Du kannst dafür nicht zuständig sein, du bist nur ein Kind. Ich nehme es wieder in meine Zuständigkeit zurück, und du bist frei.« Oder: »Ich sehe dich jetzt als mein Kind. Ich bin der Große, du bist einfach nur ein Kind.«

  • Das Kind zu den Eltern: »Ihr seid meine Eltern, ich bin nur das Kind. Wenn ihr Probleme habt, seid ihr selbst dafür zuständig. Damit habe ich nichts zu tun. Von jetzt an halte ich mich raus.« Oder: »Lieber Papa, ich bin dein Sohn, und du bist mein Vater. Das wird immer so bleiben. Ich bin jetzt erwachsen und habe meine eigenen Ziele/Pläne, die ich verwirklichen will. Für deine Pläne kann ich nicht zuständig sein. Bitte schaue freundlich auf mich, wenn ich meine eigenen Ziele verwirkliche.«



Organisationsaufstellungen


Die gleichen Dynamiken entwickeln sich oft zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Der

Lösungsansatz ist ähnlich.

63 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Zwangsstörungen